Steuerkanzlei übernehmen: Zulassung, Mandantenwert & Risiken

Eine ganze Generation von Kanzleiinhabern geht in den Ruhestand – die Übernahme einer Steuerkanzlei bietet dir die Chance, sofort mit einem profitablen Mandantenstamm zu starten. Doch Mandantenflucht und Verschwiegenheitspflicht machen die Due Diligence hochkomplex.

Warum Übernahme statt Neugründung?

Deine Vorteile beim Kauf einer Steuerkanzlei

Sofortiger Mandantenstamm

Profitabler Mandantenstamm mit Dauermandaten (Fibu, Lohn) generiert vom ersten Tag an stabilen Umsatz.

Eingespieltes Team

Erfahrene Steuerfachangestellte und Steuerfachwirte, die die Mandanten kennen, sind das wertvollste Asset der Kanzlei.

Stabile Cashflows

Steuerkanzleien haben planbare Recurring Revenue durch Jahresabschlüsse, Fibu und Lohnbuchhaltung – Banken finanzieren gerne.

Digitalisierungspotenzial

Viele Altinhaber-Kanzleien sind noch nicht auf DATEV Unternehmen online umgestellt – hier liegt enormes Effizienzpotenzial.

Berufsrecht

Zulassung nach StBerG & Verschwiegenheitspflicht

Die Steuerberatung ist ein Vorbehaltsberuf. Du kannst nicht einfach eine Kanzlei kaufen und loslegen – du musst zwingend als Steuerberater (StB), Wirtschaftsprüfer (WP) oder Rechtsanwalt (RA) zugelassen sein.

A

Steuerberater (StB)

Standardweg: Steuerberaterexamen bestanden und von der zuständigen Steuerberaterkammer bestellt. Volle Eigenständigkeit als Kanzleiinhaber.

B

Wirtschaftsprüfer (WP) oder Rechtsanwalt (RA)

WP und RA dürfen ebenfalls steuerberatend tätig sein und Kanzleien übernehmen – unterliegen aber ihren eigenen berufsrechtlichen Regelungen.

C

Syndikus-Steuerberater

Wenn du aktuell als Angestellter in einem Unternehmen (nicht in einer Kanzlei) arbeitest, musst du deine Zulassung oft anpassen lassen, um dich selbstständig zu machen.

Zulassung vor Übernahme prüfen

Das Problem: Verschwiegenheitspflicht bei der Due Diligence

Ein massives Problem bei der Kanzleiübernahme ist die berufsrechtliche Verschwiegenheitspflicht (§ 57 StBerG). Der Verkäufer darf dir in der Prüfungsphase keine Mandantennamen oder detaillierten Akten zeigen, ohne sich strafbar zu machen.

Die Lösung: Anonymisierte Due Diligence

  • Due Diligence erfolgt anonymisiert (z.B. "Mandant A, Branche IT, Umsatz 15.000 €/Jahr")
  • Erst nach Kaufvertrag und Zustimmung der Mandanten: voller Einblick
  • Mandantenschutzklausel (Earn-Out) im Kaufvertrag vereinbaren
  • Kaufpreis an tatsächlich verbleibenden Mandantenumsatz koppeln
Mandantenstamm-Bewertung

Was ist die Steuerkanzlei wirklich wert?

Der Substanzwert (Büromöbel, PCs) ist bei einer Steuerkanzlei meist vernachlässigbar. Der Wert liegt fast ausschließlich im Mandantenstamm – dem Goodwill.

BewertungskomponenteEinfluss
Umsatzwertmethode (Praktiker)Orientierungswert
Modifizierte Ertragswertmethode (BStBK)Empfohlen
Daueraufträge (Recurring Revenue)Sehr hoch
Digitalisierungsgrad (DATEV)Hoch
Mandantenstruktur (Klumpenrisiko)Kritisch
Altersstruktur der MandantenHoch
Due Diligence

Die 3 größten Risiken bei der Übernahme

Kritisch

Mandantenverlust & Mandantenschutzklauseln

Das größte Risiko: Mandanten kündigen nach der Übernahme und wechseln zur Konkurrenz. Lösung: Mandantenschutzklausel (Earn-Out) im Kaufvertrag – Kaufpreis wird in Raten über 1–3 Jahre gezahlt, abhängig vom tatsächlich verbleibenden Mandantenumsatz.

Kritisch

Fachkräftemangel & Team-Akzeptanz

Eine Kanzlei ist nur so gut wie ihre Steuerfachangestellten. Nach § 613a BGB übernimmst du alle Arbeitsverträge. Kündigt die wichtigste Lohnbuchhalterin, kannst du die Mandate nicht mehr bedienen. Team frühzeitig einbinden und Perspektiven bieten.

Hoch

Der 'Schatten-Kanzleiinhaber'

Bleibt der Altinhaber als Berater in der Kanzlei, akzeptieren Mandanten und Mitarbeiter oft nur ihn als 'den Chef'. Definiere klare, zeitlich befristete Aufgaben für den Altinhaber (maximal 12 Monate Übergangsphase).

Kapitalbedarf

Finanzierung & Förderung

Die Übernahme einer Steuerkanzlei erfordert oft Kapital im mittleren bis hohen sechsstelligen Bereich. Da Kanzleien sehr stabile Cashflows generieren, finanzieren Banken diese Vorhaben in der Regel sehr gerne.

KfW-Gründerkredit (Programm 067)

Das Standardinstrument: zinsgünstige Darlehen mit tilgungsfreien Anlaufjahren. Steuerkanzleien haben stabile Cashflows – Banken finanzieren diese Vorhaben in der Regel sehr gerne.

apoBank & Spezialfinanzierer

Neben klassischen Hausbanken gibt es Banken, die sich auf Freiberufler (Ärzte, Apotheker, Steuerberater) spezialisiert haben und die spezifischen Kanzlei-Risiken besser bewerten können.

BAFA-Förderung (Beratung)

Die Kosten für eine professionelle Gründungsberatung (Kanzleibewertung, Vertragsgestaltung, Businessplan) werden mit 50 bis 80 Prozent bezuschusst. Antrag vor Beratungsbeginn stellen!

Earn-Out (Mandantenschutzklausel)

Kein klassisches Finanzierungsinstrument, aber kaufpreisreduzierend: Kaufpreis wird in Raten über 1–3 Jahre gezahlt, abhängig vom verbleibenden Mandantenumsatz.

Verkäuferdarlehen

Der Altinhaber stundet einen Teil des Kaufpreises. Zeigt Vertrauen in den Betrieb und entlastet deine Liquidität in der Anlaufphase erheblich.

Schritt für Schritt

So läuft die Übernahme ab

01

Kanzlei finden

DStV-Nachfolgebörse, Steuerberaterkammer-Netzwerke, nexxt-change oder direkte Ansprache von Inhabern, die kurz vor dem Ruhestand stehen.

02

Erstgespräch & NDA

Vertraulichkeitsvereinbarung abschließen. Erste anonymisierte Kennzahlen (Umsatz, Mitarbeiterzahl, Mandantenstruktur) sichten.

03

Anonymisierte Due Diligence

Mandantenstamm anonymisiert analysieren (Branche, Umsatz, Rechtsform). Digitalisierungsgrad, Mitarbeiterstruktur und IT-Infrastruktur prüfen.

04

Kanzleibewertung (BStBK-Methode)

Umsatzwertmethode als Orientierung + modifizierte Ertragswertmethode für professionelle Bewertung. BAFA-Beratungsförderung nutzen.

05

Kaufvertrag mit Earn-Out

Mandantenschutzklausel vereinbaren: Kaufpreis in Raten über 1–3 Jahre, abhängig vom tatsächlich verbleibenden Mandantenumsatz.

06

Übergabephase (6–12 Monate)

Gemeinsam mit dem Altinhaber Mandanten persönlich übergeben. Team binden. Klare Aufgaben und Zeitlimit für den Altinhaber definieren.

Bereit für die Kanzleiübernahme?

Im kostenlosen Erstgespräch analysieren wir gemeinsam dein Vorhaben: StBerG-Zulassung, Mandantenstamm-Bewertung, Earn-Out-Struktur und Finanzierungsstrategie für deine Steuerkanzlei.

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Häufige Fragen

FAQ: Steuerkanzlei übernehmen

Wer darf eine Steuerkanzlei übernehmen?+
Du musst zwingend als Steuerberater (StB), Wirtschaftsprüfer (WP) oder Rechtsanwalt (RA) zugelassen sein. Personen ohne diese Berufsqualifikation dürfen keine Steuerkanzlei besitzen oder geschäftsführend leiten.
Wie wird der Kaufpreis für eine Steuerkanzlei berechnet?+
In der Praxis wird oft die Umsatzwertmethode genutzt (aktuell ca. 60 % bis 90 % des durchschnittlichen Jahresumsatzes). Professioneller ist die modifizierte Ertragswertmethode (BStBK-Empfehlung), die den zukünftigen Gewinn nach Abzug eines fiktiven Unternehmerlohns kapitalisiert.
Was passiert, wenn Mandanten nach der Übernahme kündigen?+
Um dieses Risiko abzufedern, solltest du im Kaufvertrag eine Mandantenschutzklausel (Earn-Out) vereinbaren. Der Kaufpreis wird dann über 1 bis 3 Jahre in Raten gezahlt und an den tatsächlich verbleibenden Mandantenumsatz gekoppelt. Kündigt ein Mandant, reduziert sich der Kaufpreis entsprechend.
Darf ich vor dem Kauf die Mandantenakten prüfen?+
Nein, aufgrund der strengen berufsrechtlichen Verschwiegenheitspflicht (§ 57 StBerG) darf der Verkäufer dir in der Due Diligence nur anonymisierte Daten (z.B. Umsatz, Branche, Rechtsform) zur Verfügung stellen. Volle Einsicht gibt es erst nach Vertragsabschluss und Zustimmung der Mandanten.
Gibt es Fördermittel für die Übernahme einer Steuerkanzlei?+
Ja. Du kannst den KfW-Gründerkredit (Programm 067) nutzen. Zudem bezuschusst das BAFA die Kosten für eine professionelle Gründungsberatung (z.B. für die Kanzleibewertung oder die Vertragsgestaltung) mit 50 bis 80 Prozent.

Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle rechtliche, steuerliche oder finanzielle Beratung. FoundingFits bietet keine Rechts- oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte zum Berufsrecht, zu Kaufverträgen und Fördermitteln solltest du dich an deine zuständige Steuerberaterkammer, einen Fachanwalt oder einen spezialisierten Berater wenden. Alle Angaben ohne Gewähr.