Pressearbeit verschafft dir Glaubwürdigkeit und Reichweite – ohne Werbebudget. Lerne, wie du deine Story findest, eine Pressemappe erstellst und Journalisten überzeugst.

Public Relations (Öffentlichkeitsarbeit) wird oft mit Marketing oder Werbung verwechselt. Der Unterschied ist jedoch fundamental: Während Marketing darauf abzielt, Produkte direkt zu verkaufen, konzentriert sich PR auf das Beziehungsmanagement. In der Werbung bezahlst du dafür, dass deine Botschaft gesehen wird. In der PR überzeugst du unabhängige Dritte – wie Journalisten oder Blogger –, freiwillig über dich zu berichten.
Für Gründer bietet eine gezielte PR-Strategie entscheidende Vorteile: Ein redaktioneller Artikel in einem Fachmagazin wirkt deutlich vertrauenswürdiger als eine bezahlte Anzeige. Medienberichte erzielen enorme Reichweite, wecken das Interesse von Investoren und stärken das Employer Branding.
Die Faustregel lautet: So früh wie möglich, aber nicht bevor die Grundlagen stimmen. Wenn du zu früh an die Öffentlichkeit gehst und dein Produkt noch gravierende Fehler aufweist oder deine Kernbotschaft unklar ist, riskierst du negative Berichterstattung oder wirst von Journalisten schlichtweg ignoriert.
Bevor du die erste Pressemitteilung versendest, solltest du mindestens über einen funktionierenden Prototyp (MVP) und erste zufriedene Nutzer verfügen. Deine Value Proposition muss glasklar formuliert sein: Welches Problem löst du und warum ist das relevant?
Gute Anlässe für den PR-Einstieg:
Mit der richtigen Vorbereitung und einer strukturierten Vorgehensweise erzielst du auch ohne PR-Agentur erste Medienerfolge.
Journalisten suchen nicht nach Werbetexten, sondern nach Geschichten, die ihre Leser fesseln. Arbeite den Nachrichtenwert deines Unternehmens heraus: Welches gesellschaftliche oder branchenspezifische Problem löst du? Was ist das Besondere an deinem Ansatz? Anstatt zu kommunizieren „Wir haben eine neue Buchhaltungssoftware entwickelt", pitchst du besser: „Wie eine neue Software Selbstständigen wöchentlich fünf Stunden Verwaltungsarbeit erspart." Nutze deine persönliche Gründungsgeschichte – Menschen interessieren sich für Menschen.
Wenn ein Journalist anbeißt, muss es schnell gehen. Erstelle eine professionelle digitale Pressemappe, die du als Download-Link auf deiner Website bereitstellst. Sie sollte alle wesentlichen Informationen auf einen Blick liefern.
| Inhalt | Beschreibung |
|---|---|
| Factsheet | Kurzes Unternehmensporträt (Gründungsjahr, Standort, Mission) in 2–3 Sätzen. |
| Gründer-Biografien | Kurze Lebensläufe mit zitierfähigen Aussagen zur Unternehmensvision. |
| Produktinformationen | Klare Beschreibung des Angebots, der Zielgruppe und des USP. |
| Bildmaterial | Hochauflösende Porträtfotos der Gründer, Produktbilder und das Firmenlogo. |
| Pressekontakt | Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer der Ansprechperson. |
Verzichte auf den Kauf von unpersönlichen Massenverteilern. Recherchiere stattdessen gezielt Journalisten, Redakteure und Blogger, die über deine Branche oder vergleichbare Startups berichten. Suche nach Fachmagazinen, Startup-Portalen und relevanten Ressorts in Tageszeitungen. Viele Journalisten sind auf LinkedIn oder X aktiv – folge ihnen, interagiere mit ihren Beiträgen und baue so langfristige Beziehungen auf, bevor du deinen ersten Pitch versendest. Qualität geht hier eindeutig vor Quantität.
Die Pressemitteilung ist das klassische Handwerkszeug der PR. Sie muss journalistischen Standards entsprechen und objektiv formuliert sein. Verzichte auf werbliche Superlative wie „revolutionär" oder „weltbeste". Der Aufbau folgt einem klaren Muster: Die Headline weckt sofort das Interesse und fasst den Kern der Nachricht zusammen. Der erste Absatz (Lead) beantwortet die wichtigsten W-Fragen: Wer, was, wann, wo, wie und warum? Im Hauptteil erläuterst du die Details und fügst ein bis zwei aussagekräftige Zitate ein. Den Abschluss bildet die „Boilerplate" – ein standardisierter Kurztext über dein Unternehmen.
Fasse dich kurz. Redaktionen erhalten täglich hunderte E-Mails. Dein Pitch muss in wenigen Sekunden überzeugen. Der Betreff der E-Mail ist entscheidend – er sollte keine leeren Phrasen enthalten, sondern direkt die Story anteasern. Im Text erklärst du kurz, warum deine Nachricht genau für die Leserschaft dieses Mediums relevant ist. Fasse die wichtigsten Fakten in zwei bis drei Bulletpoints zusammen und biete dich für ein Interview an. Hänge die Pressemitteilung nicht als riesiges PDF an, sondern kopiere den Text unter deine E-Mail und verlinke auf deine digitale Pressemappe.
Irgendwann stößt die DIY-PR an ihre Grenzen. Wenn dein Startup wächst, die Themen komplexer werden oder du schlichtweg keine Zeit mehr für die Medienarbeit hast, stellt sich die Frage nach externer Unterstützung.
In der Startphase ist es oft sinnvoll, die PR selbst zu übernehmen. Du lernst dabei, deine Story zu schärfen und baust erste Kontakte auf. Sobald du skalierst, kann die Zusammenarbeit mit PR-Profis den entscheidenden Unterschied machen. Oft sind erfahrene PR-Freelancer die bessere Wahl für Startups: Sie bringen ein etabliertes Netzwerk mit, kennen die Arbeitsweise der Redaktionen und arbeiten flexibler und projektbezogen als eine Agentur.
Startphase, knappes Budget
Wachstumsphase, erste Erfolge
Skalierung, internationale Kampagnen
Ein oft unterschätzter Nebeneffekt von guter Pressearbeit ist der positive Einfluss auf die Suchmaschinenoptimierung (SEO). Digital PR verbindet klassische Medienarbeit mit SEO-Zielen. Wenn ein renommiertes Nachrichtenportal oder ein starkes Fachmagazin online über dein Startup berichtet und dabei auf deine Website verlinkt, ist das ein starkes Signal für Google.
Diese hochwertigen Backlinks erhöhen die Domain Authority deiner Website erheblich. Dadurch rankst du auch mit deinen eigenen Inhalten und Keywords besser in den Suchergebnissen. Achte daher bei Online-Veröffentlichungen darauf, dass die Redaktionen nicht nur deinen Namen nennen, sondern idealerweise auch einen Link zu deiner Homepage oder einer spezifischen Landingpage setzen.
Journalisten sind keine Werbetexter. Wenn deine Pressemitteilung wie ein Verkaufsprospekt klingt, landet sie sofort im Papierkorb. Bleib sachlich und fokussiere dich auf den Informationswert.
Der Gießkannen-Ansatz funktioniert in der PR nicht. Eine unpersonalisierte E-Mail an hunderte Kontakte zeigt mangelnde Wertschätzung. Nimm dir die Zeit für individuelle Pitches.
Wenn du nach dem Versand nichts hörst, hake freundlich nach. Oft gehen E-Mails im Redaktionsalltag unter. Ein kurzes, höfliches Nachfassen nach einigen Tagen erhöht die Erfolgschancen.
PR für Gründer ist kein einmaliges Projekt, das man nach dem Launch abhakt. Es ist ein kontinuierlicher Prozess des Beziehungsaufbaus. Wer frühzeitig, strategisch und authentisch kommuniziert, legt den Grundstein für langfristiges Vertrauen und mediale Sichtbarkeit. Mit einer klaren Story, einer professionellen Pressemappe und gezielten Pitches kannst du auch mit kleinem Budget große Wirkung erzielen.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder eine andere fachkundige Stelle. Alle Angaben ohne Gewähr.