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Öffentlichkeitsarbeit · Ratgeber

PR für Gründer: In 5 Schritten zur medialen Sichtbarkeit

Pressearbeit verschafft dir Glaubwürdigkeit und Reichweite – ohne Werbebudget. Lerne, wie du deine Story findest, eine Pressemappe erstellst und Journalisten überzeugst.

Gründerin gibt Presseinterview – PR für Startups

Was ist PR und warum ist sie für Gründer so wichtig?

Public Relations (Öffentlichkeitsarbeit) wird oft mit Marketing oder Werbung verwechselt. Der Unterschied ist jedoch fundamental: Während Marketing darauf abzielt, Produkte direkt zu verkaufen, konzentriert sich PR auf das Beziehungsmanagement. In der Werbung bezahlst du dafür, dass deine Botschaft gesehen wird. In der PR überzeugst du unabhängige Dritte – wie Journalisten oder Blogger –, freiwillig über dich zu berichten.

Für Gründer bietet eine gezielte PR-Strategie entscheidende Vorteile: Ein redaktioneller Artikel in einem Fachmagazin wirkt deutlich vertrauenswürdiger als eine bezahlte Anzeige. Medienberichte erzielen enorme Reichweite, wecken das Interesse von Investoren und stärken das Employer Branding.

Höhere Glaubwürdigkeit als bezahlte Werbung
Reichweite über Medien, Blogs und Podcasts
Wertvolle Backlinks für deine SEO-Sichtbarkeit
Positionierung als Experte in deiner Branche
Investoren-Interesse durch Medienpräsenz wecken
Employer Branding für Talente stärken

Der richtige Zeitpunkt: Wann solltest du mit PR beginnen?

Die Faustregel lautet: So früh wie möglich, aber nicht bevor die Grundlagen stimmen. Wenn du zu früh an die Öffentlichkeit gehst und dein Produkt noch gravierende Fehler aufweist oder deine Kernbotschaft unklar ist, riskierst du negative Berichterstattung oder wirst von Journalisten schlichtweg ignoriert.

Bevor du die erste Pressemitteilung versendest, solltest du mindestens über einen funktionierenden Prototyp (MVP) und erste zufriedene Nutzer verfügen. Deine Value Proposition muss glasklar formuliert sein: Welches Problem löst du und warum ist das relevant?

Gute Anlässe für den PR-Einstieg:

  • Offizieller Produkt-Launch oder MVP-Veröffentlichung
  • Abschluss einer Finanzierungsrunde
  • Gewinn eines renommierten Gründerpreises
  • Bekanntgabe strategischer Partnerschaften
Der Leitfaden

In 5 Schritten zur erfolgreichen DIY-PR-Strategie

Mit der richtigen Vorbereitung und einer strukturierten Vorgehensweise erzielst du auch ohne PR-Agentur erste Medienerfolge.

1

Die eigene Story finden (Storytelling)

Journalisten suchen nicht nach Werbetexten, sondern nach Geschichten, die ihre Leser fesseln. Arbeite den Nachrichtenwert deines Unternehmens heraus: Welches gesellschaftliche oder branchenspezifische Problem löst du? Was ist das Besondere an deinem Ansatz? Anstatt zu kommunizieren „Wir haben eine neue Buchhaltungssoftware entwickelt", pitchst du besser: „Wie eine neue Software Selbstständigen wöchentlich fünf Stunden Verwaltungsarbeit erspart." Nutze deine persönliche Gründungsgeschichte – Menschen interessieren sich für Menschen.

2

Die digitale Pressemappe erstellen

Wenn ein Journalist anbeißt, muss es schnell gehen. Erstelle eine professionelle digitale Pressemappe, die du als Download-Link auf deiner Website bereitstellst. Sie sollte alle wesentlichen Informationen auf einen Blick liefern.

InhaltBeschreibung
FactsheetKurzes Unternehmensporträt (Gründungsjahr, Standort, Mission) in 2–3 Sätzen.
Gründer-BiografienKurze Lebensläufe mit zitierfähigen Aussagen zur Unternehmensvision.
ProduktinformationenKlare Beschreibung des Angebots, der Zielgruppe und des USP.
BildmaterialHochauflösende Porträtfotos der Gründer, Produktbilder und das Firmenlogo.
PressekontaktName, E-Mail-Adresse und Telefonnummer der Ansprechperson.
3

Den passenden Presseverteiler aufbauen

Verzichte auf den Kauf von unpersönlichen Massenverteilern. Recherchiere stattdessen gezielt Journalisten, Redakteure und Blogger, die über deine Branche oder vergleichbare Startups berichten. Suche nach Fachmagazinen, Startup-Portalen und relevanten Ressorts in Tageszeitungen. Viele Journalisten sind auf LinkedIn oder X aktiv – folge ihnen, interagiere mit ihren Beiträgen und baue so langfristige Beziehungen auf, bevor du deinen ersten Pitch versendest. Qualität geht hier eindeutig vor Quantität.

4

Die Pressemitteilung schreiben

Die Pressemitteilung ist das klassische Handwerkszeug der PR. Sie muss journalistischen Standards entsprechen und objektiv formuliert sein. Verzichte auf werbliche Superlative wie „revolutionär" oder „weltbeste". Der Aufbau folgt einem klaren Muster: Die Headline weckt sofort das Interesse und fasst den Kern der Nachricht zusammen. Der erste Absatz (Lead) beantwortet die wichtigsten W-Fragen: Wer, was, wann, wo, wie und warum? Im Hauptteil erläuterst du die Details und fügst ein bis zwei aussagekräftige Zitate ein. Den Abschluss bildet die „Boilerplate" – ein standardisierter Kurztext über dein Unternehmen.

5

Der perfekte Pitch (Journalisten kontaktieren)

Fasse dich kurz. Redaktionen erhalten täglich hunderte E-Mails. Dein Pitch muss in wenigen Sekunden überzeugen. Der Betreff der E-Mail ist entscheidend – er sollte keine leeren Phrasen enthalten, sondern direkt die Story anteasern. Im Text erklärst du kurz, warum deine Nachricht genau für die Leserschaft dieses Mediums relevant ist. Fasse die wichtigsten Fakten in zwei bis drei Bulletpoints zusammen und biete dich für ein Interview an. Hänge die Pressemitteilung nicht als riesiges PDF an, sondern kopiere den Text unter deine E-Mail und verlinke auf deine digitale Pressemappe.

PR-Agentur, Freelancer oder selber machen?

Irgendwann stößt die DIY-PR an ihre Grenzen. Wenn dein Startup wächst, die Themen komplexer werden oder du schlichtweg keine Zeit mehr für die Medienarbeit hast, stellt sich die Frage nach externer Unterstützung.

In der Startphase ist es oft sinnvoll, die PR selbst zu übernehmen. Du lernst dabei, deine Story zu schärfen und baust erste Kontakte auf. Sobald du skalierst, kann die Zusammenarbeit mit PR-Profis den entscheidenden Unterschied machen. Oft sind erfahrene PR-Freelancer die bessere Wahl für Startups: Sie bringen ein etabliertes Netzwerk mit, kennen die Arbeitsweise der Redaktionen und arbeiten flexibler und projektbezogen als eine Agentur.

DIY-PR

Startphase, knappes Budget

Kostenlos, Story schärfen, Kontakte aufbauen
Zeitaufwändig, kein Netzwerk

PR-Freelancer

Wachstumsphase, erste Erfolge

Netzwerk, Flexibilität, Kostenkontrolle
Abhängig von einer Person

PR-Agentur

Skalierung, internationale Kampagnen

Breites Team, Reputationsmanagement
Hohe Kosten (ab 2.000 €/Monat)

Digital PR: Wie Pressearbeit dein SEO-Ranking pusht

Ein oft unterschätzter Nebeneffekt von guter Pressearbeit ist der positive Einfluss auf die Suchmaschinenoptimierung (SEO). Digital PR verbindet klassische Medienarbeit mit SEO-Zielen. Wenn ein renommiertes Nachrichtenportal oder ein starkes Fachmagazin online über dein Startup berichtet und dabei auf deine Website verlinkt, ist das ein starkes Signal für Google.

Diese hochwertigen Backlinks erhöhen die Domain Authority deiner Website erheblich. Dadurch rankst du auch mit deinen eigenen Inhalten und Keywords besser in den Suchergebnissen. Achte daher bei Online-Veröffentlichungen darauf, dass die Redaktionen nicht nur deinen Namen nennen, sondern idealerweise auch einen Link zu deiner Homepage oder einer spezifischen Landingpage setzen.

Häufige Fehler in der Startup-PR (und wie du sie vermeidest)

Zu werblich kommunizieren

Journalisten sind keine Werbetexter. Wenn deine Pressemitteilung wie ein Verkaufsprospekt klingt, landet sie sofort im Papierkorb. Bleib sachlich und fokussiere dich auf den Informationswert.

Massen-E-Mails versenden

Der Gießkannen-Ansatz funktioniert in der PR nicht. Eine unpersonalisierte E-Mail an hunderte Kontakte zeigt mangelnde Wertschätzung. Nimm dir die Zeit für individuelle Pitches.

Fehlendes Follow-up

Wenn du nach dem Versand nichts hörst, hake freundlich nach. Oft gehen E-Mails im Redaktionsalltag unter. Ein kurzes, höfliches Nachfassen nach einigen Tagen erhöht die Erfolgschancen.

PR ist ein Marathon, kein Sprint

PR für Gründer ist kein einmaliges Projekt, das man nach dem Launch abhakt. Es ist ein kontinuierlicher Prozess des Beziehungsaufbaus. Wer frühzeitig, strategisch und authentisch kommuniziert, legt den Grundstein für langfristiges Vertrauen und mediale Sichtbarkeit. Mit einer klaren Story, einer professionellen Pressemappe und gezielten Pitches kannst du auch mit kleinem Budget große Wirkung erzielen.

Häufig gestellte Fragen zur PR für Gründer

Was kostet PR für Startups?+
Wenn du die PR selbst in die Hand nimmst (DIY-PR), kostet sie vor allem Zeit. Für die Beauftragung eines PR-Freelancers solltest du mit Tagessätzen zwischen 600 und 1.200 Euro rechnen. PR-Agenturen arbeiten oft mit monatlichen Retainern, die bei Startups meist zwischen 2.000 und 5.000 Euro beginnen.
Wie lang sollte eine Pressemitteilung sein?+
Eine gute Pressemitteilung ist prägnant und bringt die wichtigsten Fakten auf den Punkt. Sie sollte in der Regel nicht länger als eine DIN-A4-Seite sein (ca. 300 bis 400 Wörter).
Welche Medien sind für Gründer am wichtigsten?+
Das hängt von deiner Zielgruppe ab. Für B2B-Startups ist die Fachpresse der jeweiligen Branche entscheidend. Für die Investorensuche sind Startup-Portale (wie Gründerszene oder t3n) und Wirtschaftsmedien wichtig. Bei lokalen Dienstleistungen ist die regionale Tagespresse oft der beste Startpunkt.
Kann ich PR über ein AVGS-Coaching lernen?+
Im Rahmen eines AVGS-Gründercoachings kannst du auch Grundlagen der Öffentlichkeitsarbeit erarbeiten: Positionierung, Kernbotschaft, erste Pressematerialien. So startest du deine PR strategisch und kostenlos.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder eine andere fachkundige Stelle. Alle Angaben ohne Gewähr.