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Freiberuflich anmelden: Ablauf, Finanzamt & Voraussetzungen
Kein Gewerbeamt, keine Gewerbesteuer, weniger Bürokratie. Erfahre, wer als Freiberufler gilt, wie du dich korrekt beim Finanzamt anmeldest und welche weiteren Meldepflichten du beachten musst.

Wer gilt als Freiberufler?
Ob du freiberuflich oder gewerblich tätig bist, entscheidet nicht du selbst, sondern das Finanzamt auf Basis gesetzlicher Vorgaben. Die Grundlage bildet § 18 des Einkommensteuergesetzes (EStG), der die sogenannten Katalogberufe definiert.
Neben den explizit genannten Katalogberufen erkennt das Finanzamt auch katalogähnliche Berufe an – Tätigkeiten, die in Ausbildung und Berufsbild einem Katalogberuf nahekommen, wie IT-Berater, Coaches oder Fotografen.
Heilberufe
Ärzte, Zahnärzte, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten
Rechts- & Steuerberatung
Anwälte, Steuerberater, Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer
Naturwiss.-technische Berufe
Architekten, Ingenieure, Informatiker, Chemiker
Sprachliche & künstlerische Berufe
Journalisten, Dolmetscher, Designer, Musiker, Fotografen


Freiberufler vs. Kleinunternehmer
Diese beiden Begriffe werden in der Praxis oft verwechselt – dabei beschreiben sie völlig unterschiedliche Sachverhalte. Du kannst problemlos beides gleichzeitig sein.
Bezieht sich auf
Freiberufler
Art der Tätigkeit (§ 18 EStG)
Kleinunternehmer
Umsatzhöhe (§ 19 UStG)
Gewerbesteuer
Freiberufler
Keine Gewerbesteuer
Kleinunternehmer
Abhängig von Rechtsform
Umsatzsteuer
Freiberufler
Regulär (19 % / 7 %)
Kleinunternehmer
Keine USt. auf Rechnungen
Umsatzgrenze
Freiberufler
Keine Grenze
Kleinunternehmer
Max. 22.000 € Vorjahr / 50.000 € laufendes Jahr
Kombination möglich?
Freiberufler
Ja – beide Status gleichzeitig möglich
Kleinunternehmer
Ja – z. B. freiberuflicher Designer als Kleinunternehmer
Weitere Meldepflichten für Freiberufler
Auch wenn die Anmeldung beim Finanzamt der zentrale Schritt ist, gibt es je nach Berufsgruppe weitere Institutionen, bei denen du dich als Freiberufler melden musst.
Künstlersozialkasse (KSK)
Für Künstler und Publizisten (Grafiker, Autoren, Musiker): Du zahlst nur die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge, die andere Hälfte übernehmen Bundeszuschuss und Künstlersozialabgabe.
Berufsgenossenschaft
Innerhalb einer Woche nach Tätigkeitsbeginn melden. Für viele Freiberufler freiwillig, für Heil- und Pflegeberufe Pflicht. Die BG prüft nach deiner Meldung, ob Versicherungspflicht besteht.
Standeskammern
Ärzte, Apotheker, Anwälte, Notare, Steuerberater und Architekten müssen sich zwingend bei ihrer jeweiligen Standeskammer registrieren (z. B. Ärztekammer, Rechtsanwaltskammer).
Wichtig: Reihenfolge beim Gründungszuschuss
Stelle den Antrag auf Gründungszuschuss bei der Arbeitsagentur, bevor du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung an das Finanzamt übermittelst. Danach gilt die Arbeitslosigkeit als beendet.

So meldest du dich freiberuflich an
Von der Tätigkeitsprüfung bis zur Steuernummer – der komplette Ablauf in 6 Schritten.
Tätigkeit prüfen
Prüfe, ob deine geplante Tätigkeit als Katalogberuf oder katalogähnlicher Beruf nach § 18 EStG anerkannt wird. Im Zweifel: verbindliche Auskunft beim Finanzamt oder Steuerberater einholen.
ELSTER-Konto einrichten
Registriere dich auf elster.de. Du benötigst ein Konto, um den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung elektronisch übermitteln zu können.
Fragebogen ausfüllen
Fülle den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung vollständig aus. Angaben zu Person, Tätigkeit und voraussichtlichen Einnahmen im Gründungsjahr sind Pflicht.
Fragebogen übermitteln
Sende den Fragebogen spätestens vier Wochen nach Tätigkeitsbeginn elektronisch via ELSTER an dein zuständiges Finanzamt.
Steuernummer abwarten
Das Finanzamt prüft deinen Antrag und sendet dir innerhalb von 2–6 Wochen deine Steuernummer per Post zu. Erst dann darfst du rechtsgültige Rechnungen schreiben.
Weitere Meldungen
Je nach Berufsgruppe: KSK anmelden (Künstler/Publizisten), Berufsgenossenschaft informieren und ggf. Standeskammer registrieren.
Häufig gestellte Fragen
Unsicher, ob deine Tätigkeit als freiberuflich gilt?
Im Rahmen unseres AVGS Gründercoachings helfen wir dir, den Fragebogen korrekt auszufüllen und prüfen, ob du alle Voraussetzungen für Fördermittel erfüllst. Die Kosten werden zu 100 % von der Agentur für Arbeit übernommen.