Was ist ein Finanzplan und warum brauchst du ihn?
Ein Finanzplan ist eine detaillierte, tabellarische Aufstellung aller erwarteten Einnahmen und Ausgaben deines Unternehmens für die ersten drei bis fünf Geschäftsjahre. Er beantwortet die entscheidenden Fragen: Wie viel Startkapital benötigst du? Wann machst du die ersten Gewinne? Und bleibst du in der Anlaufphase jederzeit zahlungsfähig?
Viele Gründer verwechseln den Finanzplan mit dem Finanzierungsplan. Der Unterschied ist wichtig: Der Finanzplan ist der Überbegriff für das gesamte Zahlenwerk (Umsätze, Kosten, Liquidität, Rentabilität). Der Finanzierungsplan ist lediglich ein Teilplan des Finanzplans – er zeigt auf, woher das benötigte Kapital stammt.
Für dich selbst
Er ist dein finanzielles Radar. Du siehst schwarz auf weiß, wie viele Produkte du verkaufen musst, um deine Miete und dein eigenes Gehalt bezahlen zu können.
Für externe Geldgeber
Banken, Investoren und die Agentur für Arbeit (beim Gründungszuschuss) prüfen anhand des Finanzplans, ob du kaufmännisch denken kannst.
Die 6 wichtigsten Teilpläne im Finanzplan
Ein professioneller Finanzplan besteht nicht aus einer einzigen großen Tabelle, sondern setzt sich aus mehreren logisch aufeinander aufbauenden Teilplänen zusammen. Wenn du diese Struktur einhältst, ist dein Finanzplan für jeden Bankberater sofort verständlich.
Umsatzplanung
Schätze konservativ, wie viele Produkte oder Dienstleistungen du in den ersten Monaten verkaufen wirst und zu welchem Preis.
Kostenplan
Unterscheide zwischen variablen Kosten (fallen nur bei Umsatz an) und Fixkosten (monatlich unabhängig vom Umsatz).
Investitionsplan
Liste alle Anschaffungen auf, die für den Start notwendig sind: Maschinen, IT, Büromöbel, Gründungskosten.
Kapitalbedarfsplan
Addiere Investitionen, Gründungskosten und laufende Kosten der ersten Monate bis zur Kostendeckung.
Finanzierungsplan
Zeige auf, wie du den Kapitalbedarf aufbringst: Eigenkapital, Bankkredite, Investorengelder, Fördermittel.
Liquiditätsplan
Belege auf Monatsbasis, dass dein Kontostand zu keinem Zeitpunkt ins Minus rutscht – für Banken oft das wichtigste Dokument.


Die 4 häufigsten Fehler bei der Finanzplanung
Ein fehlerhafter Finanzplan führt bei Banken und der Arbeitsagentur unweigerlich zur Ablehnung. Achte besonders darauf, diese vier typischen Anfängerfehler zu vermeiden:
Hockey-Stick-Kurve
Wenn deine Umsatzkurve im ersten Jahr flach verläuft und im zweiten Jahr plötzlich steil nach oben schießt, werten Banken das als unrealistisches Wunschdenken.
Kein finanzieller Puffer
Es kommt fast immer anders als geplant. Plane in deinem Kapitalbedarf immer einen Sicherheitspuffer von 10 bis 20 Prozent ein.
Steuern und private Ausgaben vergessen
Vom Gewinn werden noch Einkommensteuer und Gewerbesteuer abgezogen. Auch deine privaten Lebenshaltungskosten müssen durch den Unternehmerlohn gedeckt sein.
Zahlen nicht belegen können
Jede Zahl in deinem Finanzplan muss plausibel und begründbar sein. Wenn du 1.000 Kunden im ersten Jahr planst, musst du erklären können, wie du das schaffen willst.
Finanzplan erstellen lassen: Kostenlos mit AVGS-Coaching
Die Erstellung eines professionellen Finanzplans ist komplex und erfordert kaufmännisches Know-how. Wenn du bei Begriffen wie Liquidität, Abschreibungen oder Break-Even-Point unsicher bist, solltest du dir professionelle Hilfe holen.
Wenn du arbeitslos gemeldet bist (ALG I oder Bürgergeld), hast du die Möglichkeit, einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) bei der Agentur für Arbeit zu beantragen. Mit diesem Gutschein kannst du ein AVGS Gründercoaching in Anspruch nehmen, das zu 100 % vom Staat bezahlt wird.

Rentabilitätsvorschau: Wann machst du Gewinn?
Die Rentabilitätsvorschau (auch Gewinn- und Verlustrechnung, GuV) zeigt dir, ab wann dein Unternehmen profitabel arbeitet. Sie stellt die geplanten Umsätze den gesamten Kosten (inklusive Abschreibungen und Zinsen) gegenüber.
Der Moment, an dem deine Einnahmen exakt deine Ausgaben decken, nennt sich Break-Even-Point (Gewinnschwelle). Dieser Punkt ist für Banken und die Agentur für Arbeit besonders relevant – er zeigt, wann dein Unternehmen wirtschaftlich auf eigenen Beinen steht.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Finanzplan und Businessplan?
Der Businessplan ist das Gesamtdokument, das deine Geschäftsidee beschreibt. Der Finanzplan ist der Zahlenteil innerhalb des Businessplans. Er übersetzt die im Textteil beschriebenen Strategien in konkrete Einnahmen und Ausgaben.
Wie weit in die Zukunft muss ein Finanzplan reichen?
In der Regel verlangen Banken und die Agentur für Arbeit einen Finanzplan für die ersten drei Geschäftsjahre. Das erste Jahr sollte dabei sehr detailliert (auf Monatsbasis) geplant werden, für das zweite und dritte Jahr reicht oft eine Planung auf Quartals- oder Jahresbasis.
Kann ich den Finanzplan mit Excel erstellen?
Ja, Excel ist das gängigste Tool für die Finanzplanung. Es gibt viele kostenlose Vorlagen im Internet. Wichtig ist jedoch, dass du die Formeln und Verknüpfungen in der Vorlage verstehst, damit du bei Nachfragen der Bank souverän antworten kannst.
Warum ist der Liquiditätsplan so wichtig?
Der Liquiditätsplan zeigt, ob du jederzeit genug Geld auf dem Konto hast, um deine Rechnungen zu bezahlen. Selbst wenn dein Unternehmen auf dem Papier profitabel ist, kannst du insolvent gehen, wenn deine Kunden zu spät zahlen und dir kurzfristig das Geld ausgeht.
Bereit, deinen Finanzplan zu erstellen?
Wir von FoundingFits unterstützen dich dabei! In unserem AVGS-geförderten Coaching erarbeiten wir gemeinsam mit dir einen professionellen Finanzplan, der jeder Prüfung standhält. Vereinbare jetzt dein kostenloses Erstgespräch.
