Finanzplan erstellen: Aufbau, Anleitung & Beispiel

Du musst kein Zahlenmensch sein. Wir rechnen deinen Plan gemeinsam durch, bis du jede Zahl erklären kannst.

  • Kein Zahlenmensch? Du brauchst Grundrechenarten und ehrliche Annahmen, keine Buchhaltungskenntnisse.
  • Keine Ahnung vom Umsatz? Wir leiten ihn aus Preis, Kunden und Zeit Schritt für Schritt her.
  • Angst vor dem Bankgespräch? Wer seine Annahmen begründen kann, geht entspannt hinein.
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Gründer im Sakko arbeitet am Laptop, auf dem Tisch liegen ausgedruckte Diagramme

Kurz gesagt

Ein Finanzplan zeigt in Zahlen, ob deine Gründung trägt. Er besteht aus Kapitalbedarf, Finanzierung, Umsatz- und Kostenplan, Rentabilität und Liquidität, meist für drei Jahre, das erste Jahr monatlich. Den Umsatz leitest du aus Preis und Menge her, nicht aus einem Wunschziel. Deine privaten Ausgaben, Krankenversicherung und Steuern gehören hinein, sonst wirkt das Ergebnis besser, als es ist.

Sechs Teilpläne

Kapitalbedarf, Finanzierung, Umsatz, Kosten, Rentabilität und Liquidität bauen aufeinander auf.

Drei Jahre

Üblich ist ein Zeitraum von drei Jahren, das erste Jahr Monat für Monat.

Preis mal Menge

Jede Umsatzzahl braucht eine nachvollziehbare Herleitung.

Privat zählt mit

Miete, Krankenversicherung und Steuern müssen aus dem Gewinn bezahlt werden.

Aufbau

Wie sieht ein Finanzplan aus?

Ein Finanzplan besteht aus sechs Teilplänen, meist für drei Jahre, das erste Jahr Monat für Monat. Erst klärst du, was der Start kostet und wie du ihn bezahlst. Dann planst du Umsatz und Kosten. Daraus ergeben sich Gewinn und dein Kontostand. Ändert sich eine Zahl, ändern sich die anderen mit.

TeilplanBeantwortet die FrageTypische Inhalte
KapitalbedarfWas kostet der Start?Investitionen, Gründungskosten, Anlaufreserve
FinanzierungWoher kommt das Geld?Eigenkapital, Kredit, Förderung
UmsatzplanWas nehme ich ein?Preis mal Menge pro Monat
KostenplanWas gebe ich aus?Fixkosten, variable Kosten, Abschreibungen, Zinsen
RentabilitätMache ich Gewinn?Umsatz minus Kosten pro Jahr
LiquiditätBin ich jeden Monat zahlungsfähig?Ein- und Auszahlungen inklusive Privatentnahmen und Steuern
Umsatz

Wie plane ich meinen Umsatz realistisch?

Rechne vom Kunden aus, nicht vom Wunschergebnis. Lege fest, wie viele Kunden oder Aufträge du pro Monat schaffst, zu welchem Preis und mit welcher Kapazität. Plane eine Anlaufzeit ein, in der weniger reinkommt. Jeder Anstieg braucht einen Grund, etwa eine Marketingaktion, neue Kapazität oder Empfehlungen.

  1. 1

    Kapazität klären

    Wie viele Stunden, Aufträge oder Produkte schaffst du realistisch pro Monat?
  2. 2

    Preis festlegen

    Was nehmen Wettbewerber, und was musst du nehmen, damit sich die Arbeit lohnt?
  3. 3

    Auslastung schätzen

    Am Anfang selten voll. Plane in den ersten Monaten deutlich unter der Kapazität.
  4. 4

    Begründen

    Schreib zu jeder Zahl, woher sie kommt: Gespräche, Anfragen, Vorverträge, Erfahrungswerte.

Umsatz herleiten: Kunden mal Preis mal Häufigkeit

Die einfachste Formel lautet: Zahl der Kunden mal Preis je Kauf mal Zahl der Käufe im Jahr. So siehst du sofort, an welcher Stellschraube dein Umsatz hängt. Rechne dazu drei Szenarien, denn niemand kennt die Zukunft genau.

SzenarioStammkundinnenPreis je Behandlung nettoBesuche je Kundin im JahrUmsatz im Jahr
vorsichtig6065 €623.400 €
realistisch8070 €633.600 €
optimistisch10070 €749.000 €

Erfundenes Beispiel eines Kosmetikstudios mit einer Inhaberin, nachgerechnet. Dazu kommen Neukundinnen und Verkauf von Produkten, die du getrennt planst.

Den Finanzplan rechnest du mit dem realistischen Szenario. Mit dem vorsichtigen prüfst du, ob du Kosten und Privatbedarf auch dann noch bezahlen kannst. Mit dem optimistischen prüfst du, ob deine Zeit und dein Raum dafür überhaupt reichen. Wie du den Preis selbst sauber kalkulierst, steht unter Preiskalkulation.

Floristin notiert die verkauften Sträuße eines Tages als Grundlage für ihre Umsatzplanung

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Kosten

Wie erstelle ich den Kostenplan?

Im Kostenplan listest du alle betrieblichen Ausgaben Monat für Monat auf und trennst fixe von variablen Kosten. Fixe Kosten wie Miete, Versicherungen oder Software fallen auch ohne einen einzigen Auftrag an. Variable Kosten wie Material, Wareneinsatz oder Provisionen steigen mit dem Umsatz. Getrennt geplant siehst du, wie dein Gewinn auf schwache Monate reagiert.

KostenartBeispieleSo planst du sie
Fixe KostenMiete, Nebenkosten, Versicherungen, Software, Telefon, Fahrzeug, Steuerberatung, Zinsenaus Verträgen und Angeboten übernehmen, Jahresbeträge auf die Monate verteilen
Variable KostenMaterial, Wareneinsatz, Verpackung, Versand, Zahlungsgebühren, Provisionenals Anteil am Umsatz oder Betrag je Auftrag, dann wachsen sie mit jedem Szenario mit
PersonalLöhne, Arbeitgeberanteile, Minijobs, Aushilfenmit allen Nebenkosten rechnen, nicht nur mit dem Bruttolohn
AbschreibungenLaptop, Maschinen, Fahrzeug, EinrichtungAnschaffungen über die Nutzungsdauer verteilen, in der Rentabilität, nicht in der Liquidität
GründungskostenAnmeldung, Notar, Website, Logo, erste Werbungeinmalig im ersten Jahr
  • Oft vergessen: Kammer- und Berufsgenossenschaftsbeiträge, Kontoführung, Gebühren von Zahlungsanbietern, Weiterbildung, Reparaturen und Abos, die nur einmal im Jahr abgebucht werden.
  • Steigende Kosten einplanen: Mieten, Software und Versicherungen werden selten billiger.
  • Privatbedarf, Kranken- und Pflegeversicherung und Steuern planst du beim Einzelunternehmen getrennt, wie im Beispiel unten.
Beispiel

Wie sieht ein einfacher Finanzplan im Beispiel aus?

Nimm eine erfundene IT-Beraterin, die allein startet. Sie rechnet mit 75 Euro netto pro Stunde und 60 abrechenbaren Stunden im Monat, weil Akquise und Verwaltung Zeit kosten. Davon zieht sie Betriebskosten und ihren Privatbedarf ab. So sieht sie, ob nach Steuern noch genug übrig bleibt.

Position pro MonatBetrag
Umsatz: 60 Stunden mal 75 € netto4.500 €
Betriebskosten (Software, Hardware, Versicherung, Marketing)minus 600 €
Gewinn vor Steuern3.900 €
Kranken- und Pflegeversicherung (grob 21 % vom Gewinn)minus 850 €
Altersvorsorgeminus 250 €
Rücklage für Einkommensteuerminus 500 €
Verfügbar für Miete und Lebenshaltung2.300 €

Fiktives Beispiel mit groben Richtwerten. Beiträge und Steuern hängen von deiner Situation ab, lass sie bei Kasse und Steuerberatung konkret ermitteln.

Reichen die 2.300 Euro nicht für ihren Bedarf, muss sie den Preis, die Stunden oder die Kosten anpassen. Genau dafür ist der Plan da.

Liquidität

Warum ist der Liquiditätsplan so wichtig?

Weil Gewinn auf dem Papier nicht heißt, dass Geld auf dem Konto ist. Kunden zahlen oft erst nach Wochen, Miete und Material sind sofort fällig. Der Liquiditätsplan zeigt Monat für Monat, ob dein Kontostand im Plus bleibt. Für Banken und Förderstellen ist er deshalb einer der wichtigsten Teile.

Gehört in die Liquidität

  • Zahlungseingänge zum tatsächlichen Datum
  • Privatentnahmen für deinen Lebensunterhalt
  • Kredit-Tilgung
  • Steuervorauszahlungen und Umsatzsteuer

Gehört nicht hinein

  • Abschreibungen, weil kein Geld fließt
  • Umsätze, die noch nicht bezahlt sind
  • Wunschaufträge ohne Grundlage

Gut zu wissen

Plane eine Reserve für unerwartete Ausgaben ein. Als grober Richtwert werden oft 10 bis 25 Prozent des Kapitalbedarfs genannt.

Wie du deine Zahlen im Termin mit der Bank sicher erklärst, steht unter Bankgespräch vorbereiten.

Junger Malermeister wartet im Transporter auf einen Zahlungseingang – warum Liquidität zählt
Gewinnschwelle

Ab wann trägt sich meine Gründung?

Das zeigt die Gewinnschwelle, auch Break-even genannt. Sie ist erreicht, wenn deine Einnahmen alle Kosten decken, inklusive deines Privatbedarfs. Rechne dafür deine monatlichen Fixkosten und teile sie durch das, was pro Auftrag nach den variablen Kosten übrig bleibt. Das Ergebnis ist die Zahl der Aufträge, die du brauchst.

  • Fixkosten pro Monat: Betrieb plus Privatbedarf plus Vorsorge
  • Deckungsbeitrag pro Auftrag: Preis minus variable Kosten wie Material oder Provision
  • Gewinnschwelle: Fixkosten geteilt durch Deckungsbeitrag ergibt die nötige Zahl an Aufträgen

Formel, Rechenbeispiel und Grafik findest du unter Break-even berechnen.

Steuern

Welche Steuern muss ich im Finanzplan berücksichtigen?

Fast immer die Einkommensteuer auf deinen Gewinn, bei gewerblicher Tätigkeit oft auch die Gewerbesteuer. Einzelunternehmen und Personengesellschaften haben dafür einen Freibetrag von 24.500 Euro im Jahr, Freiberufler zahlen keine. Dazu kommt die Umsatzsteuer, die du einnimmst und abführst. Sie betrifft vor allem deine Liquidität.

Vorauszahlungen einplanen

Das Finanzamt kann schon anhand deiner Schätzung im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung vierteljährliche Vorauszahlungen festsetzen. Geschieht das nicht, kommen nach dem ersten Steuerbescheid oft die Nachzahlung fürs erste Jahr und Vorauszahlungen fürs laufende Jahr zusammen. Eine feste Rücklage vom Gewinn fängt das ab.

Einen Überblick über alle Steuerarten findest du unter Steuern für Selbstständige.

Einordnung

Wie hängen Finanzplan und Businessplan zusammen?

Der Finanzplan ist der Zahlenteil des Businessplans. Der Text erklärt, wem du was zu welchem Preis verkaufst. Der Finanzplan rechnet aus, ob das trägt. Beides muss zusammenpassen: Beschreibst du eine kleine regionale Zielgruppe, darf der Umsatz nicht nach einem bundesweiten Markt aussehen.

Wie du den Textteil aufbaust, steht unter Businessplan erstellen. Brauchst du den Plan für die Agentur für Arbeit, lies auch Businessplan für den Gründungszuschuss.

Aus meiner Praxis

Gewinn ist nicht gleich Geld auf dem Konto. Rechnungen werden oft erst nach Wochen bezahlt, Material und Miete sind sofort fällig. Deshalb plane ich mit Gründern immer einen Liquiditätsplan Monat für Monat.

– Maximilian Rothenberger, IHK-zertifizierter Gründungsberater

Förderung

Welche Förderung kommt für deine Gründung infrage?

Welche Förderung passt, hängt vor allem davon ab, ob du arbeitsuchend gemeldet bist, Arbeitslosengeld beziehst und was du investieren musst. Über jeden Antrag entscheidet die zuständige Stelle im Einzelfall.

AVGS-Gründungscoaching

Wenn du arbeitsuchend oder arbeitslos gemeldet bist, kann die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein ausstellen. Mit bewilligtem Gutschein ist das Gründungscoaching für dich kostenfrei.

AVGS-Gründercoaching

Gründungszuschuss

Beziehst du Arbeitslosengeld I und hast bei der Gründung noch mindestens 150 Tage Anspruch, kannst du den Gründungszuschuss beantragen. Er ist eine Ermessensleistung und setzt Businessplan und Tragfähigkeitsbescheinigung voraus.

Gründungszuschuss

Förderkredite

Für Investitionen und Betriebsmittel gibt es zinsgünstige Kredite, etwa den ERP-Gründerkredit der KfW über deine Hausbank. Eine Bank erwartet dafür einen schlüssigen Businessplan mit Finanzplan.

KfW-Gründerkredit

Brauchst du Geld für Investitionen oder die Anlaufphase, finanziert der ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW laut KfW bis zu 200.000 Euro, Eigenkapital ist dafür nicht erforderlich (Stand Februar 2026). Die Hausbank prüft dafür deinen Finanzplan. Mehr unter KfW-Gründerkredit.

So begleite ich dich

Wie läuft das Gründungscoaching mit mir ab?

  1. 1

    Kostenloser Gründungscheck

    In 10 Minuten siehst du, wo du stehst und welcher nächste Schritt für dich sinnvoll ist.

  2. 2

    Förderung klären

    Ich sage dir, ob ein AVGS infrage kommt und wie du ihn bei Agentur für Arbeit oder Jobcenter ansprichst.

  3. 3

    Gemeinsam ausarbeiten

    Geschäftsmodell, Businessplan und Finanzplan, online oder vor Ort, in deinem Tempo.

  4. 4

    Sicher starten

    Du hast vollständige Unterlagen für Bank und Agentur für Arbeit und einen klaren Plan für die ersten Monate.

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FAQ

Häufige Fragen: Finanzplan erstellen

Wie weit muss mein Finanzplan in die Zukunft reichen?

Üblich sind drei Jahre. Das erste Jahr planst du Monat für Monat, das zweite und dritte reichen oft als Quartals- oder Jahreswerte. Frag bei Bank oder Förderstelle nach, ob sie ein bestimmtes Format erwartet.

Reicht Excel für den Finanzplan?

Ja, eine Tabellenkalkulation reicht für die meisten Gründungen. Kostenlose Vorlagen gibt es zum Beispiel bei Kammern und Banken. Wichtig ist, dass du die Formeln verstehst und jede Zahl im Gespräch erklären kannst.

Was ist der Unterschied zwischen Finanzplan und Finanzierungsplan?

Der Finanzplan ist das gesamte Zahlenwerk mit Umsatz, Kosten, Gewinn und Liquidität. Der Finanzierungsplan ist nur ein Teil davon und zeigt, woher das Geld für den Start kommt.

Wie plane ich Umsatz, wenn ich noch keine Kunden habe?

Rechne von unten: Wie viele Kunden kannst du pro Monat realistisch erreichen, wie viele davon kaufen, zu welchem Preis? Gespräche mit möglichen Kunden und Preise von Wettbewerbern geben dir Anhaltspunkte. Starte vorsichtig und steigere langsam.

Muss die Umsatzsteuer in den Finanzplan?

In die Rentabilität rechnest du mit Nettobeträgen. In der Liquidität taucht die Umsatzsteuer aber auf, weil du sie einnimmst und später ans Finanzamt abführst. Als Kleinunternehmer entfällt das, dafür bekommst du keine Vorsteuer zurück.

Was mache ich, wenn der Plan ein Minus zeigt?

Dann hat der Plan seinen Zweck erfüllt, bevor es Geld gekostet hat. Prüfe Preise, Kosten und Anlaufzeit, plane eine Reserve oder eine Finanzierung ein. Schönrechnen hilft nicht, denn spätestens das Konto zeigt die echten Zahlen.

Maximilian Rothenberger

Über den Autor

Maximilian Rothenberger

IHK-zertifizierter Gründungsberater · B.Sc. Wirtschaftspsychologie

Hauptberuflich selbstständig bin ich seit 2019, in der Gründungsberatung seit 2021. Ich kenne Gründung mit ihren Höhen und Rückschlägen aus eigener Erfahrung, und genau das fließt in jede Beratung ein.

Inhalt geprüft am 3.10.2026

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an eine Steuerberatung, eine Anwaltskanzlei oder eine andere zuständige Beratungsstelle. Alle Angaben ohne Gewähr.