Elektrobetrieb übernehmen

Die Elektrobranche boomt. Photovoltaikanlagen, Wallboxen und die Digitalisierung von Gebäuden sorgen für volle Auftragsbücher. Die Übernahme eines bestehenden Elektroinstallationsbetriebs ist der direkteste Weg in die Selbstständigkeit – mit Kundenstamm, Montageteam und Fahrzeugflotte ab Tag 1. Doch die VNB-Konzession erlischt automatisch und muss vor dem ersten Arbeitstag neu beantragt werden.

Volle Auftragsbücher durch PV, Wallboxen & Gebäudeautomation
VNB-Konzession rechtzeitig neu beantragen
Serviceverträge als stabiler Werttreiber
Elektriker in Schutzausrüstung vor Schaltschrank – Elektrobetrieb übernehmen
Deine Vorteile

Warum einen Elektrobetrieb übernehmen statt neu gründen?

Eine Übernahme startet mit Kundenstamm, eingespieltem Montageteam und vollausgestatteter Fahrzeugflotte – das spart Jahre des Aufbaus.

Volle Auftragsbücher ab Tag 1

Photovoltaik, Wallboxen und Gebäudeautomation sorgen für jahrelange Wartelisten. Du übernimmst einen Betrieb mit gesichertem Auftragsbestand.

Eingespieltes Montageteam

Erfahrene Elektriker, die die Kunden und Prozesse kennen, sind das wertvollste Asset. Sie sichern die Qualität vom ersten Arbeitstag an.

Bessere Bankfähigkeit

Historische BWA-Daten der letzten 3–5 Jahre sind für Banken belastbarer als reine Prognosen – günstigere Konditionen bei der Finanzierung.

Vollausgestattete Fahrzeugflotte

Montagefahrzeuge, Messgeräte und Prüfequipment sind vorhanden. Du kaufst Zeit und vermeidest teure Erstinvestitionen.

Zulassung

Meisterpflicht: Wer darf einen Elektrobetrieb übernehmen?

Das Elektrotechnikerhandwerk gehört zu den gefahrengeneigten Handwerken der Anlage A der HwO. Es gibt drei legale Wege, auch ohne eigenen Meisterbrief zu übernehmen.

Meisterbrief / Ingenieur / Techniker

Meister im Elektrotechnikerhandwerk ist der Standardweg. Gleichwertig anerkannt werden auch Abschlüsse in Elektrotechnik oder Energietechnik sowie EU-Berufsanerkennungen aus anderen Mitgliedsstaaten.

Betriebsleiter mit Meisterbrief

Du kaufst und führst den Betrieb als Inhaber, stellst aber einen Elektromeister als technischen Betriebsleiter in Vollzeit ein. Kündigt er, verlierst du sofort die Handwerksrolle. Dieses Klumpenrisiko muss durch langfristige Vertragsgestaltung (Halteprämien, Gewinnbeteiligung) abgesichert werden.

Altgesellenregelung (§ 7b HwO)

Mindestens 6 Jahre Berufserfahrung als Elektriker, davon 4 Jahre in leitender Funktion. Nachweis kaufmännischer Grundkenntnisse erforderlich. Mit der Ausübungsberechtigung der HWK bist du dem Meister rechtlich gleichgestellt.

VNB-Konzession: Nicht automatisch übertragbar

Die Konzession beim Verteilnetzbetreiber (VNB) erlischt bei einem Inhaberwechsel automatisch. Beantrage sie frühzeitig neu – Bearbeitungszeit 4–8 Wochen. Ohne gültige VNB-Konzession darfst du keine Netzanschlussarbeiten für PV-Anlagen oder Wallboxen ausführen.

Bewertung

Was ist ein Elektrobetrieb wirklich wert?

Die Bewertung erfolgt nach dem AWH-Standard (Arbeitsgemeinschaft Wertermittlung im Handwerk). Serviceverträge und PV-Zertifizierungen sind die entscheidenden Werttreiber.

KomponenteBeschreibungHinweis
SubstanzwertZeitwert von Fahrzeugen, Messgeräten, Prüfequipment und Lagerbestand – prüfe Fahrzeuge auf Umweltzonen-AnforderungenAbsolute Preisuntergrenze
ErtragswertBereinigter Jahresgewinn × Kapitalisierungsfaktor – Achtung: Disinvestition vor Verkauf prüfenEntscheidende Kaufpreisbasis
Goodwill (PV/E-Mobilität)Zertifizierter PV-Installateur (DIN VDE 0100-712) und Wallbox-Fachbetrieb haben strukturellen WettbewerbsvorteilEchter Goodwill-Faktor
ServiceverträgeWiederkehrende Verträge für Gebäudeautomation, Brandmeldeanlagen, Aufzüge – stabilster WerttreiberHöherer Multiplikator gerechtfertigt
RichtwertKleiner Installationsbetrieb: 150.000–300.000 €; etablierter Betrieb mit Serviceverträgen: 300.000–600.000 €Stark abhängig von Auftragsbestand

Lass die Bewertung durch einen Steuerberater oder M&A-Berater mit Handwerk-Erfahrung durchführen. Die Kosten sind über das BAFA-Programm zu 50–80 % förderfähig.

Risikomanagement

Die 3 größten Risiken bei der Elektrobetrieb-Übernahme

Fachkräftemangel & Schlüsselpersonen-Risiko

Gute Elektriker sind rar. Nach § 613a BGB übernimmst du alle Arbeitsverträge. Kündigt der Obermonteur oder der einzige Spezialist für Mittelspannungsanlagen, verlierst du Kapazität und Aufträge. Vereinbare eine Übergangsphase mit dem Altinhaber und führe frühzeitig Gespräche mit dem Team.

Gewährleistungsrisiken bei Altinstallationen

Bei einem Share Deal (Kauf einer GmbH) übernimmst du auch die Gewährleistungspflichten für Installationen der letzten fünf Jahre. Lass dir eine Liste aller Großprojekte geben und vereinbare im Kaufvertrag Freistellungsklauseln für versteckte Mängel.

Auslaufende Zertifizierungen

Prüfe, ob der Betrieb über Zertifizierungen verfügt (ZVEH-Mitgliedschaft, Blitzschutz, Brandmeldeanlagen), die regelmäßig erneuert werden müssen. Kurz nach der Übernahme ablaufende Zertifizierungen können teuer in der Erneuerung sein.

Finanzierung

So finanzierst du die Elektrobetrieb-Übernahme

Kaufpreise im mittleren sechsstelligen Bereich sind realistisch. Diese Wege stehen dir offen.

1

KfW ERP-Gründerkredit (Programm 067)

Günstige Zinsen, tilgungsfreie Anlaufjahre – speziell für Unternehmensübernahmen konzipiert

2

KfW ERP-Gründerkredit StartGeld

Bis 100.000 €, bis zu 100 % des Gesamtbedarfs – auch für Gründer mit wenig Eigenkapital geeignet

3

Hausbank-Darlehen

Standardweg; Eigenkapital von 10–20 % empfohlen, Businessplan und Betriebsbewertung erforderlich

4

Bürgschaftsbank

Übernimmt bis zu 80 % des Kreditrisikos – oft in Kooperation mit der Handwerkskammer

5

Verkäuferdarlehen

Altinhaber lässt Teil des Kaufpreises im Betrieb – senkt Liquiditätsbelastung in den ersten Jahren

6

BAFA-Beratungsförderung

50–80 % Zuschuss für Beratungskosten (AWH-Bewertungsgutachten, Due Diligence, Businessplan)

Der Ablauf

In 6 Schritten zum eigenen Elektrobetrieb

1

Betrieb finden

ZVEH-Nachfolgebörse, nexxt-change.org, HWK-Nachfolgebörse oder diskreter Kontakt zur Handwerkskammer als Übernahmeinteressent.

2

Erstgespräch & NDA

Vertraulichkeitsvereinbarung abschließen, erste Kennzahlen (BWA, Umsatz, Mitarbeiterzahl, Fahrzeugflotte, Serviceverträge) sichten.

3

VNB-Konzession & Due Diligence

VNB-Konzession frühzeitig beantragen (4–8 Wochen Bearbeitungszeit). Fahrzeuge, Messgeräte und Zertifizierungen prüfen. Gewährleistungsrisiken bei Altinstallationen analysieren.

4

Finanzierung sichern

KfW-Antrag, Bürgschaft und ggf. Verkäuferdarlehen strukturieren. Bankgespräche mit vollständigem Businessplan führen.

5

Kaufvertrag & HWK-Eintragung

Notariellen Kaufvertrag abschließen, Meisterpflicht-Frage klären, Eintragung in die Handwerksrolle beantragen.

6

Übergabephase (3–6 Monate)

Gemeinsam mit dem Altinhaber – Kunden übergeben, Team binden, VNB-Konzession aktivieren, Zertifizierungen erneuern.

FAQ

Häufige Fragen zur Elektrobetrieb-Übernahme

Bereit für deinen eigenen Elektrobetrieb?

Lass uns gemeinsam prüfen, ob dein Übernahme-Vorhaben auf einem soliden Fundament steht. Im kostenlosen Erstgespräch analysieren wir Kaufpreis, VNB-Konzession, Finanzierung und Meisterpflicht-Frage.

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder eine andere fachkundige Stelle. Alle Angaben ohne Gewähr.

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