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Gründungsleitfaden Weinbar

Weinbar eröffnen: Voraussetzungen, Konzession & wahre Kosten 2026

Ein gutes Glas Wein, eine entspannte Atmosphäre und dazu passende Snacks – Weinbars erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Doch die wichtigste Frage lautet: Willst du Wein glasweise ausschenken oder in Flaschen verkaufen? Diese Entscheidung bestimmt, ob du eine Gaststättenkonzession brauchst oder mit einer einfachen Gewerbeanmeldung starten kannst.

  • Ausschank (glasweise): Gaststättenkonzession Pflicht – Vorlaufzeit 8–12 Wochen
  • Vinothek (Flaschenverkauf): Nur Gewerbeanmeldung nötig
  • Kein Meisterbrief – aber IHK-Unterrichtung für Quereinsteiger
  • Startkosten ab 55.700 € – ohne teure Gastroküche

Die wichtigste Hürde: Weinbar vs. Weinhandel

Viele Gründer werfen die Begriffe Weinbar, Vinothek und Weinhandel in einen Topf. Rechtlich gesehen gibt es hier jedoch einen gewaltigen Unterschied, der über deine Genehmigungen entscheidet.

Weinbar (Ausschank): Gaststättenkonzession ist Pflicht!

Sobald du Wein glasweise zum Verzehr an Ort und Stelle anbietest und dafür Sitzplätze bereitstellst, betreibst du ein Gaststättengewerbe. Da Wein Alkohol enthält, benötigst du zwingend eine Gaststättenkonzession (Schanklizenz). Plane hierfür eine Vorlaufzeit von 8 bis 12 Wochen ein!

Weinhandel / Vinothek (Flaschenverkauf): Keine Konzession nötig

Wenn du Wein ausschließlich in verschlossenen Flaschen verkaufst, damit die Kunden ihn zu Hause trinken, betreibst du reinen Einzelhandel. Eine einfache Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt reicht völlig aus.

Die Ausnahme: Kostenlose Kostproben

Darfst du in deinem Weinhandel den Kunden einen Schluck probieren lassen? Ja! Solange es sich um kostenlose Kostproben handelt, die lediglich der Kaufentscheidung dienen, benötigst du dafür keine Schanklizenz. Sobald du aber Geld für das Probierglas verlangst, fällst du wieder unter das Gaststättengesetz.

Die 4 Konzepte im Überblick

Klassische Weinbar: Fokus auf eine große Auswahl offener Weine (glasweise), begleitet von kalten Snacks wie Käse- und Wurstplatten oder Tapas.
Naturwein-Bar: Ein stark wachsendes Nischenkonzept. Naturweine werden ohne Zusatzstoffe hergestellt und ziehen ein jüngeres, urbanes Publikum an.
Hybrid-Modell (Vinothek & Bar): Du verkaufst Weine flaschenweise für zu Hause (Handel), bietest aber gleichzeitig Sitzplätze an, um den Wein vor Ort zu trinken (Gastronomie).
Wine-Tasting-Bar: Fokus auf Events, geführte Weinproben und Seminare. Ideal, um Kundenbindung aufzubauen und den Flaschenverkauf anzukurbeln.
Gaststättenkonzession, Führungszeugnis und Gewerbeanmeldung auf Holztisch – Genehmigungen für Weinbar eröffnen

Meisterpflicht, Genehmigungen & In 5 Schritten zur eigenen Weinbar

Kein Meisterbrief – aber IHK-Unterrichtung für Quereinsteiger

Weder der Begriff "Weinhändler" noch "Sommelier" ist in Deutschland gesetzlich geschützt. Du brauchst keinen Meisterbrief und keine formelle Ausbildung. Wenn du jedoch eine Gaststättenkonzession beantragst und keine gastronomische Ausbildung vorweisen kannst, musst du an einer Gaststättenunterrichtung der IHK teilnehmen (1 Tag, 50–150 €).

Wichtige Genehmigungen & Auflagen

Gaststättenkonzession (Ordnungsamt): Polizeiliches Führungszeugnis, Auszug aus dem Gewerbezentralregister, Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts und unterschriebener Mietvertrag. Vorlaufzeit: 8–12 Wochen!
IfSG-Belehrung statt 'Gesundheitszeugnis': Das 'Gesundheitszeugnis' wurde 2001 abgeschafft. Wenn du offene Lebensmittel (Käse, Schinken, Brot) anbietest, benötigst du und dein Personal eine Belehrung nach § 43 IfSG vom Gesundheitsamt.
Jugendschutzgesetz: Wein, Sekt und Bier dürfen an Jugendliche ab 16 Jahren ausgeschenkt werden. Harter Alkohol (Spirituosen, Cocktails, Liköre) ist erst ab 18 Jahren erlaubt.
GEMA-Gebühren: Wenn du Hintergrundmusik abspielst (auch über Spotify oder Radio!), musst du GEMA-Gebühren zahlen. Normale private Streaming-Abos sind für die gewerbliche Nutzung nicht zugelassen.
TSE-Kassenpflicht: Seit 2020 gilt die Kassensicherungsverordnung. Dein Kassensystem muss zwingend über eine zertifizierte Technische Sicherheitseinrichtung (TSE) verfügen.

In 5 Schritten zur eigenen Weinbar

1

Konzept & Businessplan

Entscheide dich für ein Modell (reine Weinbar, Hybrid mit Handel, Naturwein). Definiere deine Zielgruppe und kalkuliere die Preise für offene Weine und Flaschen.

2

Standort & Immobilie

Suche nach einer Location mit passendem Ambiente. Achte darauf, ob die Räumlichkeiten bereits als Gastronomie zugelassen sind (sonst droht ein teurer Nutzungsänderungsantrag beim Bauamt).

3

Genehmigungen einholen

Beantrage rechtzeitig die Gaststättenkonzession (falls Ausschank geplant), absolviere die IfSG-Belehrung und melde dein Gewerbe an.

4

Sortiment & Lieferanten

Baue Beziehungen zu Winzern und Weingroßhändlern auf. Ein gutes Sortiment sollte sowohl bekannte Klassiker als auch spannende Neuentdeckungen umfassen.

5

Einrichtung & Marketing

Investiere in hochwertige Weinkühlschränke (verschiedene Temperaturzonen sind Pflicht!). Plane ein Soft-Opening und nutze Social Media, um Weinliebhaber in deiner Stadt zu erreichen.

→ Mehr dazu: Bar eröffnen | Restaurant eröffnen

Weinprobe-Event in einer Weinbar: Sommelier erklärt Rotwein an einem Holztisch mit vier Gästen und mehreren Weingläsern – Weinbar eröffnen Konzept

Was kostet eine Weinbar?

Eine Weinbar ohne warme Küche ist deutlich günstiger als ein Restaurant, da teure Investitionen wie Fettabscheider oder Gastro-Lüftungsanlagen oft entfallen. Die Kosten hängen stark von der Größe, dem Standort und dem Zustand der Immobilie ab.

KostenpunktGeschätzte Kosten
Gewerbeanmeldung, Konzession & IHK-Unterrichtung200 € – 1.500 €
Kaution & Maklerprovision (Gewerbeimmobilie)5.000 € – 15.000 €
Umbau, Renovierung & Einrichtung (Gastraum)15.000 € – 50.000 €
Weinkühlschränke, Gläser & Bar-Ausstattung5.000 € – 20.000 €
Kassensystem (TSE-konform) & Software1.000 € – 3.000 €
Erster Wareneinkauf (Wein, Snacks, Getränke)8.000 € – 20.000 €
Marketing, Website & Eröffnungsfeier1.500 € – 4.000 €
Liquiditätsreserve (für die ersten 6 Monate)20.000 € – 40.000 €
Gesamtkapitalbedarfca. 55.700 € – 153.500 €

Unser Tipp: Kostenlose Beratung für deinen Businessplan

Die Eröffnung einer Weinbar erfordert nicht nur Weinwissen, sondern auch kaufmännisches Geschick. Wenn du aktuell arbeitslos gemeldet bist (ALG I oder Bürgergeld), kannst du einen AVGS-Gutschein bei der Agentur für Arbeit beantragen. Als Kooperationspartner von AVGS-Trägern (IHK-zertifiziert) helfen wir dir, diesen Gutschein einzulösen – die Kosten für professionelle Gründungsberatung werden zu 100 % vom Staat übernommen.

Professionelle Weinkühlschränke mit verschiedenen Temperaturzonen, Weinregale, hängende Weingläser und Käse-Charcuterie-Board – Ausstattung Weinbar

FAQ – Häufige Fragen zur Eröffnung einer Weinbar

Brauche ich eine Konzession für eine Weinbar?+
Ja, sobald du Wein glasweise zum Verzehr vor Ort anbietest (Ausschank), benötigst du eine Gaststättenkonzession. Verkaufst du den Wein nur in verschlossenen Flaschen für zu Hause (Vinothek), reicht eine Gewerbeanmeldung.
Darf ich kostenlose Weinproben anbieten?+
Ja, kostenlose Kostproben, die der Kaufentscheidung im Einzelhandel dienen, sind ohne Gaststättenkonzession erlaubt. Sobald du Geld für die Probe verlangst, wird es rechtlich zum Ausschank.
Brauche ich eine Ausbildung als Sommelier?+
Nein, der Beruf des Sommeliers oder Weinhändlers ist nicht geschützt. Du brauchst keine formelle Ausbildung. Fachwissen ist jedoch für die Beratung deiner Kunden unerlässlich.
Brauche ich ein Gesundheitszeugnis?+
Nein, das 'Gesundheitszeugnis' wurde 2001 abgeschafft. Wenn du offene Lebensmittel (z. B. Käse, Schinken) anbietest, benötigst du eine Belehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz (IfSG) vom Gesundheitsamt.
Welche Berufsgenossenschaft ist zuständig?+
Für eine Weinbar mit Ausschank ist in der Regel die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) zuständig. Betreibst du einen reinen Weinhandel ohne Ausschank, fällst du unter die BG Handel und Warenlogistik (BGHW).

Bereit, deine Weinbar zu eröffnen?

Die richtige Kalkulation der Glaspreise, die Auswahl der Lieferanten und die Einschätzung der Fixkosten entscheiden über Erfolg oder Insolvenz. Wenn du aktuell arbeitslos gemeldet bist, hast du die Möglichkeit, einen AVGS-Gutschein bei der Agentur für Arbeit zu beantragen – die Kosten für dein Gründungscoaching werden zu 100 % vom Staat übernommen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder eine andere fachkundige Stelle. Alle Angaben ohne Gewähr.