Viele Ratgeber verbreiten veraltetes Wissen – etwa die angebliche Pflicht zu einem "Gesundheitszeugnis", das es seit über 20 Jahren nicht mehr gibt. Wir klären, wann du wirklich eine Konzession brauchst, warum die Lüftungsanlage oft das größte Problem ist und mit welchen Kosten du rechnen musst.
Die Imbisskultur in Deutschland boomt. Längst geht es nicht mehr nur um die klassische Currywurst-Bude an der Ecke. Moderne Imbiss-Konzepte setzen auf Premium-Döner mit Wagyu-Rind, authentisches asiatisches Streetfood, vegane Bowls oder nachhaltige Burger-Kreationen. Die Nachfrage nach schnellem, aber hochwertigem Essen ("Fast Casual") ist ungebrochen hoch.
Für viele Gründer ist der eigene Imbiss der perfekte Einstieg in die Gastronomie. Die Investitionskosten sind deutlich geringer als bei einem großen Restaurant, man benötigt weniger Personal und die Prozesse lassen sich stark standardisieren.
Erfolgreiche Positionierung

Viele Gründer glauben, sie müssten für jeden Imbiss eine teure Gaststättenerlaubnis beantragen. Das ist falsch! Ob du eine Konzession brauchst, hängt von zwei Faktoren ab:
Hinweis für Baden-Württemberg: Ab dem 01.01.2026 entfällt die Konzession komplett. Es reicht dann eine Anzeige beim Gewerbeamt in Kombination mit einem Sachkundenachweis (IHK-Unterrichtung).
Das oft zitierte "Gesundheitszeugnis" wurde bereits im Jahr 2001 abgeschafft! Heute benötigst du stattdessen eine Belehrung nach § 43 IfSG – für dich und alle Mitarbeiter, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, zwingend vorgeschrieben. Zusätzlich fordert die Lebensmittelüberwachung ein lückenloses HACCP-Konzept.

Ein Thema, das in fast allen Ratgebern fehlt, in der Praxis aber oft zur Schließung führt: der Immissionsschutz. Wenn du Fritteusen, Grills oder Woks betreibst, entstehen fetthaltige Abluft und starke Gerüche.
Achtung: Abluft-Situation vor Mietvertrag klären!
Kläre die Abluft-Situation vor der Unterschrift unter den Mietvertrag! Eine nachträgliche Installation einer Abluftanlage über mehrere Stockwerke kann schnell 20.000 Euro und mehr kosten.
Konzept & Standortsuche
Definiere dein Angebot (z. B. veganer Döner) und suche eine passende Immobilie. Achte zwingend auf die Möglichkeit, eine Gastro-Abluftanlage zu installieren.
Nutzungsänderung beantragen
Wenn in dem Ladenlokal vorher ein Einzelhandel (z. B. ein Schuhgeschäft) war, musst du beim Bauamt eine Nutzungsänderung zur Gastronomie beantragen. Das kann Monate dauern!
Umbau & Küchentechnik
Richte den Imbiss nach den strengen Hygienevorschriften ein (abwaschbare Wände/Böden, Edelstahlmöbel, separates Handwaschbecken, Personaltoilette).
Genehmigungen einholen
Melde das Gewerbe an, absolviere die IfSG-Belehrung und beantrage ggf. die Gaststättenkonzession (falls Alkohol + Sitzplätze geplant sind).
Kassensystem & Eröffnung
Besorge dir eine zertifizierte Registrierkasse mit Technischer Sicherheitseinrichtung (TSE). Seit 2020 ist dies für alle Gastronomiebetriebe Pflicht. Melde dich zudem bei der Berufsgenossenschaft (BGN) an.
BGN: Pflichtanmeldung
Als Imbiss-Betreiber bist du gesetzlich verpflichtet, deinen Betrieb bei der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) anzumelden. Sie ist der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für alle Gastronomie-Betriebe.
→ Mehr dazu: Versicherungen für Selbstständige

Die Wahl der Rechtsform ist beim Imbiss besonders wichtig, da das Haftungsrisiko durch Personenschäden (z. B. durch verdorbenes Essen) hoch ist. Ein Einzelunternehmen ist zwar schnell gegründet, du haftest jedoch mit deinem Privatvermögen. Viele Gründer entscheiden sich daher für eine UG (haftungsbeschränkt) oder GmbH.
| Rechtsform | Haftung | Startkapital | Eignung |
|---|---|---|---|
| Einzelunternehmen | Unbeschränkt (auch Privatvermögen) | Kein Mindestkapital | Schnell gegründet, aber volles Haftungsrisiko – z. B. bei Personenschäden durch dein Essen. |
| GbR | Unbeschränkt (alle Gesellschafter solidarisch) | Kein Mindestkapital | Für Gründerteams möglich, aber riskant. Alle Partner haften mit dem Privatvermögen. |
| UG (haftungsbeschränkt) | Beschränkt auf Gesellschaftsvermögen | Ab 1 € (praktisch 3.000–5.000 €) | Guter Einstieg mit Haftungsschutz. Günstig in der Gründung, aber mit Pflicht zur Rücklagenbildung. |
| GmbH | Beschränkt auf Gesellschaftsvermögen | 25.000 € | Schützt das Privatvermögen und wirkt professionell gegenüber Banken und Investoren. |
→ Mehr dazu in unserem Ratgeber: Rechtsform wählen
Die Kosten für einen Imbiss hängen extrem vom Zustand der Immobilie ab. Übernimmst du einen voll ausgestatteten, ehemaligen Imbiss, sparst du zehntausende Euro. Musst du einen leeren Raum komplett neu ausbauen (inklusive Fettabscheider und Lüftung), wird es teuer. Die folgende Tabelle gibt einen realistischen Überblick für die Neugründung eines professionellen Imbisses (ca. 40–60 qm):
| Kostenpunkt | Geschätzte Kosten |
|---|---|
| Miete & Kaution (oft 3–6 Monatsmieten im Voraus) | 3.000 € – 12.000 € |
| Umbau & Renovierung (Fliesen, Sanitär, Gastro-Lüftungsanlage!) | 10.000 € – 50.000 € |
| Küchentechnik (Fritteusen, Grill, Kühlzellen, Edelstahlmöbel) | 8.000 € – 25.000 € |
| Ladeneinrichtung (Verkaufstresen, Beleuchtung, ggf. Sitzmöbel) | 3.000 € – 10.000 € |
| Kassensystem (inkl. TSE-Zertifizierung) | 500 € – 1.500 € |
| Genehmigungen (Gewerbe, IfSG, ggf. Konzession & Bauantrag) | 200 € – 600 € |
| Branding & Marketing (Außenwerbung, Speisekarten, Website) | 1.500 € – 4.000 € |
| Erstausstattung Warenlager (Lebensmittel, Verpackungen) | 1.500 € – 3.000 € |
| Liquiditätsreserve (für die ersten anlaufenden Monate) | 5.000 € – 15.000 € |
| Gesamtkapitalbedarf für den Start | ca. 32.700 € – 121.100 € |
Tipp: Kostenlose Beratung für deinen Businessplan
Die Finanzierung eines Imbisses – egal ob über einen Bankkredit oder Fördermittel – steht und fällt mit einem professionellen Businessplan. Du musst genau vorrechnen können, wie hoch dein Wareneinsatz pro Gericht ist und wie viele Portionen du am Tag verkaufen musst, um deine Fixkosten zu decken (Break-Even-Point). Wenn du aktuell arbeitslos gemeldet bist, kannst du einen AVGS-Gutschein bei der Agentur für Arbeit beantragen – die Kosten für professionelle Gründungsberatung werden zu 100 % vom Staat übernommen.
Die Finanzierung und ein überzeugender Businessplan sind oft die größten Hürden. Wenn du aktuell arbeitslos gemeldet bist, hast du die Möglichkeit, einen AVGS-Gutschein bei der Agentur für Arbeit zu beantragen – die Kosten für dein Gründungscoaching werden zu 100 % vom Staat übernommen.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder eine andere fachkundige Stelle. Alle Angaben ohne Gewähr.