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Gründungsleitfaden Zeitarbeit

Zeitarbeit gründen: AÜG-Erlaubnis, Equal Pay & Kosten 2026

Eine Zeitarbeitsfirma ist lukrativ – aber stark reguliert. Wer ohne AÜG-Erlaubnis verleiht, riskiert Bußgelder bis zu 500.000 €. Wir erklären dir die drei wichtigsten Hürden: AÜG-Erlaubnis, Equal Pay und die Liquiditätsfalle Lohnvorfinanzierung.

  • AÜG-Erlaubnis: Unterlagen, Regionaldirektionen & Bearbeitungszeit
  • Equal Pay nach 9 Monaten (§ 8 AÜG) & Tarifvertrag als Ausweg
  • Überlassungshöchstdauer 18 Monate & Synchronisationsverbot
  • Liquiditätsfalle: 10.000 € Eigenkapital-Mindestgrenze der BA

Lohnt sich eine Zeitarbeitsfirma?

Der Markt für Arbeitnehmerüberlassung in Deutschland ist riesig. Laut Bundesagentur für Arbeit gibt es rund 900.000 Leiharbeitnehmer, die flexibel in Unternehmen eingesetzt werden. Während die klassische Zeitarbeit im Helferbereich (z. B. Produktion, Logistik) stark umkämpft ist, bieten spezialisierte Nischen enorme Wachstumschancen.

Besonders lukrativ sind Fachkräfte-Nischen: IT-Experten (Entwickler und Administratoren für Projektarbeit), Pflegekräfte (Pflegefachkräfte, die sich ihre Schichten aussuchen wollen) und Handwerk (spezialisierte Monteure und Elektriker für Großbaustellen).

Doch der Gesetzgeber hat mit dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) hohe Hürden aufgebaut. Wer ohne saubere Vorbereitung startet, riskiert nicht nur hohe Bußgelder, sondern auch den Entzug der Betriebserlaubnis.

Die AÜG-Erlaubnis: Das Herzstück der Gründung

Ohne die Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung (AÜG-Erlaubnis) darfst du in Deutschland keine Mitarbeiter verleihen. Diese Erlaubnis ist der größte Meilenstein deiner Gründung – und wird nicht vom lokalen Arbeitsamt, sondern von einer von drei Regionaldirektionen der Bundesagentur für Arbeit ausgestellt.

Zuständig ist die Regionaldirektion Nürnberg für Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Düsseldorf ist zuständig für NRW, Rheinland-Pfalz und Saarland, Kiel für alle nördlichen Bundesländer sowie Berlin und Brandenburg.

Die Erlaubnis wird zunächst befristet für ein Jahr erteilt. Erst nach drei Jahren legaler Tätigkeit kannst du eine unbefristete Erlaubnis beantragen. Die Gebühren liegen zwischen 1.250 und 2.500 Euro.

Erforderliche Unterlagen

  • Polizeiliches Führungszeugnis (Belegart O)
  • Auszug aus dem Gewerbezentralregister
  • Businessplan mit Beschreibung des Geschäftsmodells
  • Liquiditätsnachweis (Bankbestätigung über Eigenkapital)
  • Musterverträge (Arbeitsverträge & Überlassungsverträge)

Equal Pay & Überlassungshöchstdauer: Die 3 wichtigsten AÜG-Regeln

Das AÜG schützt Leiharbeitnehmer vor Ausbeutung. Als Gründer musst du drei zentrale Regeln zwingend kennen und in deiner Software abbilden.

1

Equal Pay nach 9 Monaten (§ 8 AÜG)

Spätestens nach 9 Monaten ununterbrochenem Einsatz im selben Kundenbetrieb muss der Leiharbeitnehmer das gleiche Gehalt wie ein vergleichbarer Stammarbeitnehmer erhalten. Mit einem Tarifvertrag (iGZ/BAP) darfst du in den ersten 9 Monaten nach Tarif zahlen.

2

Überlassungshöchstdauer 18 Monate (§ 1 Abs. 1b AÜG)

Du darfst denselben Mitarbeiter maximal 18 Monate an denselben Entleiher verleihen. Danach muss der Mitarbeiter abgezogen oder vom Kunden fest übernommen werden. Tarifverträge der Einsatzbranche können längere Fristen erlauben.

Synchronisationsverbot (§ 1 Abs. 1 Satz 4 AÜG)

Häufiger Anfängerfehler: Du darfst den Arbeitsvertrag deines Mitarbeiters nicht auf die Dauer seines ersten Einsatzes befristen. Du trägst das unternehmerische Risiko – wenn der Einsatz endet, musst du den Mitarbeiter weiterbezahlen.

Eigenkapital & Liquidität: Was du wirklich brauchst

Die Bundesagentur für Arbeit verlangt einen harten Nachweis deiner finanziellen Leistungsfähigkeit. Du musst mindestens 2.000 Euro liquides Eigenkapital pro geplantem Zeitarbeitnehmer nachweisen – mit einem absoluten Minimum von 10.000 Euro (ausreichend für bis zu 5 Mitarbeiter).

Das größte Risiko in der Zeitarbeit ist jedoch nicht der Mangel an Aufträgen, sondern der Cashflow. Du musst deine Mitarbeiter am Monatsende bezahlen, während deine Kunden oft Zahlungsziele von 30 bis 60 Tagen haben. Das bedeutet: Du musst Löhne, Sozialabgaben und Steuern für ein bis zwei Monate komplett aus eigener Tasche vorfinanzieren.

Ein solider Finanzplan und ein ausreichend hoher Kontokorrentkredit (oder Factoring – der Verkauf deiner offenen Forderungen an eine Bank) sind hier überlebenswichtig.

5-Schritte-Plan zur eigenen Zeitarbeitsfirma

Von der Nischenwahl bis zur ersten Vermittlung – so gehst du strukturiert vor.

1

Businessplan & Rechtsform

Nische definieren (IT, Pflege, Handwerk) und GmbH gründen.

2

Gewerbe & Handelsregister

Gewerbe anmelden, GmbH ins HR eintragen, Geschäftskonto eröffnen, Stammkapital einzahlen.

3

AÜG-Erlaubnis beantragen

Antrag bei der zuständigen Regionaldirektion der BA stellen. 6–8 Wochen Bearbeitungszeit einplanen.

4

Tarifvertrag & Software

Arbeitgeberverband (iGZ/BAP) beitreten. Lohnabrechnungssoftware mit AÜG-Fristenüberwachung einrichten.

5

Akquise & Recruiting

Erste Kundenunternehmen gewinnen und passgenaues Personal einstellen. Verträge rechtssicher formulieren.

Rechtsform: GmbH oder Einzelunternehmen?

Aufgrund des hohen finanziellen Risikos durch die Lohnvorfinanzierung und die strengen AÜG-Haftungsregeln ist die Wahl der Rechtsform entscheidend.

RechtsformHaftungMindestkapitalEignung für Zeitarbeit
EinzelunternehmenUnbeschränkt (auch Privatvermögen)Kein MindestkapitalFür Zeitarbeit nicht empfehlenswert. Volles Privatvermögen haftet bei Zahlungsausfällen von Kunden oder Lohnforderungen der Mitarbeiter.
UG (haftungsbeschränkt)Beschränkt auf GesellschaftsvermögenAb 1 € (Stammkapital)Möglich, aber die Bundesagentur für Arbeit verlangt trotzdem 10.000 € Liquiditätsnachweis. Wirkt im B2B-Geschäft oft weniger seriös als eine GmbH.
GmbHBeschränkt auf Gesellschaftsvermögen25.000 € (12.500 € bei Gründung)Standard-Rechtsform für Zeitarbeitsfirmen. Stammkapital dient gleichzeitig als Liquiditätsnachweis für die AÜG-Erlaubnis. Klare Haftungsbeschränkung.
GmbH & Co. KGBeschränkt auf GmbH-Vermögen25.000 € (GmbH-Anteil)Für größere Zeitarbeitsfirmen mit mehreren Gesellschaftern. Steuerlich flexibel, aber höherer Verwaltungsaufwand.

Was kostet es, eine Zeitarbeitsfirma zu gründen?

Die Gründungskosten sind im Vergleich zu anderen Dienstleistungen hoch. Die größte finanzielle Hürde bleibt jedoch die Lohnvorfinanzierung im laufenden Betrieb.

KostenpunktGeschätzte Kosten
AÜG-Erlaubnis (Bundesagentur für Arbeit)1.250 – 2.500 €
GmbH-Gründung (Notar, Handelsregister, Gewerbeamt)1.500 – 3.000 €
Steuerberatung & Rechtsberatung (Verträge)1.000 – 2.500 €
Spezialisierte Software (Lohn & AÜG-Fristen)50 – 200 € / Monat
Büroausstattung & Marketing1.000 – 3.000 €
Gesamtkosten (ohne Lohnvorfinanzierung)ca. 5.000 – 11.200 €

Hinweis: Das geforderte Eigenkapital von mind. 10.000 € für die AÜG-Erlaubnis ist hier nicht als „Kosten" aufgeführt, da es auf deinem Konto verbleibt – es muss jedoch zwingend vorhanden sein.

AVGS-Beratung: Kostenlose Hilfe für deine Gründung

Die Beantragung der AÜG-Erlaubnis und die Liquiditätsplanung sind komplex. Wenn du aus der Arbeitslosigkeit (ALG I oder Bürgergeld) gründest, kannst du einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) bei der Agentur für Arbeit beantragen. Mit diesem Gutschein erhältst du ein professionelles, zu 100 % gefördertes Gründercoaching – inklusive Businessplan, AÜG-Unterlagen und Liquiditätsplanung.

Häufige Fragen zur Zeitarbeitsfirma

Brauche ich die AÜG-Erlaubnis auch als Einzelunternehmer?

Ja. Die Rechtsform spielt keine Rolle. Sobald du Personal an Dritte verleihst und weiterhin als Arbeitgeber auftrittst, ist die AÜG-Erlaubnis zwingend erforderlich.

Was passiert, wenn ich ohne AÜG-Erlaubnis verleihe?

Das ist illegale Arbeitnehmerüberlassung. Es drohen Bußgelder bis zu 500.000 Euro. Zudem gilt rechtlich ein Arbeitsverhältnis zwischen deinem Mitarbeiter und dem Kundenunternehmen als zustande gekommen.

Kann ich die Equal-Pay-Pflicht durch einen Tarifvertrag umgehen?

Du kannst sie nicht komplett umgehen, aber aufschieben. Wenn du einen Tarifvertrag der Zeitarbeitsbranche (z. B. iGZ/BAP) anwendest, darfst du in den ersten 9 Monaten nach Tarif zahlen, bevor Equal Pay greift.

Wie lange dauert die Beantragung der AÜG-Erlaubnis?

Wenn alle Unterlagen (Führungszeugnis, Liquiditätsnachweis, Businessplan) vollständig vorliegen, benötigt die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in der Regel 6 bis 8 Wochen für die Prüfung.

Was ist der Unterschied zwischen Zeitarbeit und Personalvermittlung?

Bei der Zeitarbeit stellst du den Mitarbeiter bei dir ein, zahlst sein Gehalt und verleihst ihn an Kunden (AÜG-Erlaubnis nötig). Bei der Personalvermittlung suchst du nur einen Kandidaten, der dann direkt beim Kundenunternehmen angestellt wird – keine AÜG-Erlaubnis nötig, du erhältst eine Provision.

Starte jetzt in deine Zeitarbeitsfirma

Wir helfen dir, die AÜG-Erlaubnis zu beantragen, deinen Businessplan zu erstellen und die Liquiditätsplanung wasserdicht zu machen – mit AVGS-gefördertem Coaching.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder eine andere fachkundige Stelle. Alle Angaben ohne Gewähr.

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AVGS-geförderte Coachings werden in Kooperation mit dem AZAV-zertifizierten Bildungsträger Erfolgspfad durchgeführt. FoundingFits ist selbst kein zugelassener Maßnahmenträger nach AZAV.