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Gründungsleitfaden Pizzeria

Pizzeria eröffnen: Voraussetzungen, Holzofen-Regeln & Kosten 2026

Viele Ratgeber verbreiten veraltetes Wissen – etwa die angebliche Pflicht zu einem "Gesundheitszeugnis", das es seit über 20 Jahren nicht mehr gibt. Wir räumen mit den größten Irrtümern auf: wann du wirklich eine Konzession brauchst, warum der Holzofen eine rechtliche Grauzone ist und mit welchen Kosten du rechnen musst.

  • Kein Meisterbrief als Pizzabäcker erforderlich
  • Konzession nur bei Alkohol + Sitzplätzen nötig
  • Holzofen: BImSchG-Ausnahme & Schornsteinfeger-Pflicht
  • Kosten ab 50.300 € & AVGS-Förderung möglich

Lohnt sich eine eigene Pizzeria?

Pizza ist das beliebteste Fast Food der Deutschen. Doch der Markt hat sich gewandelt: Neben dem klassischen Italiener um die Ecke boomen aktuell vor allem zwei Konzepte: Die authentische neapolitanische Pizza aus dem 450-Grad-Ofen und hochoptimierte Delivery-Konzepte (Ghost Kitchens), die ausschließlich für Lieferando, Uber Eats und Co. produzieren.

Die Margen können extrem attraktiv sein. Die Zutaten für eine Pizza Margherita kosten im Einkauf oft weniger als 1,50 Euro – verkauft wird sie für 8 bis 12 Euro. Ein profitables Geschäft erfordert jedoch eine klare Positionierung.

Erfolgreiche Konzepte

  • Neapolitanische Pizza: Der Teig ruht 48 bis 72 Stunden und wird bei extremer Hitze in 60 bis 90 Sekunden gebacken. Das erfordert spezielles Mehl (Tipo 00) und teure Öfen, rechtfertigt aber Premium-Preise.
  • Pinsa Romana: Die ovale Alternative zur Pizza. Der Teig besteht aus einer Mischung aus Weizen-, Soja- und Reismehl, ist extrem wasserreich und gilt als leichter verdaulich.
  • Delivery-Fokus: Wenn du dich auf das Liefergeschäft konzentrierst, sparst du teure Mieten in 1A-Lagen. Bedenke aber die hohen Provisionen der Lieferdienste (oft 25 bis 30 Prozent vom Umsatz!).
Professionelle Pizzeria-Küche mit Holzofen, Teigknetmaschine, Edelstahltischen und Zutaten-Theke – Pizzeria Küchentechnik

Wichtige Genehmigungen: Konzession, Hygiene & der Holzofen

Brauche ich eine Gaststättenkonzession?

Viele Gründer glauben, sie müssten für jede Pizzeria eine teure Gaststättenerlaubnis beantragen. Das ist falsch! Ob du eine Konzession brauchst, hängt von deinem Konzept ab:

Reiner Take-away / Delivery (ohne Alkohol): Wenn du deine Pizzen nur zum Mitnehmen oder Ausliefern verkaufst und keine Sitzplätze anbietest, brauchst du keine Konzession. Eine einfache Gewerbeanmeldung reicht aus.
Verzehr vor Ort + Alkohol: Eine Konzession wird erst dann fällig, wenn du alkoholische Getränke (Wein, Bier) ausschenkst und Sitzgelegenheiten für den Verzehr an Ort und Stelle anbietest.

Hinweis für Baden-Württemberg: Ab dem 01.01.2026 entfällt die Konzession komplett. Es reicht dann eine Anzeige beim Gewerbeamt in Kombination mit einem Sachkundenachweis (IHK-Unterrichtung).

IfSG-Belehrung statt "Gesundheitszeugnis"

Das oft zitierte "Gesundheitszeugnis" wurde bereits im Jahr 2001 abgeschafft! Heute benötigst du stattdessen eine Belehrung nach § 43 IfSG – für dich und alle Mitarbeiter, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, zwingend vorgeschrieben. Zusätzlich fordert die Lebensmittelüberwachung ein lückenloses HACCP-Konzept.

Lebensmittelüberwachung prüft IfSG-Bescheinigung und HACCP-Dokumentation in einer Pizzeria – Pizzeria Hygiene Genehmigungen

Die Holzofen-Falle & In 5 Schritten zur eigenen Pizzeria

Was sagt der Schornsteinfeger?

Ein echter holzbefeuerter Steinofen ist für viele Pizzerien das wichtigste Alleinstellungsmerkmal. Doch rechtlich ist der Holzofen ein Minenfeld.

Die BImSchG-Ausnahme: Das strenge Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) gilt nicht für Pizzaöfen! Der Gesetzgeber hat Anlagen, die 'Speisen durch unmittelbare Berührung mit heißen Abgasen backen', explizit ausgenommen.
Der Schornsteinfeger entscheidet: Trotzdem darfst du nicht einfach einen Holzofen aufstellen. Der zuständige Bezirksschornsteinfegermeister muss die Anlage (Ofen und Kaminzug) zwingend abnehmen.

Achtung: Lokale Luftreinhaltepläne prüfen!

Auch wenn das Bundesgesetz Ausnahmen macht, können Städte und Gemeinden in ihren lokalen Luftreinhalteplänen den Betrieb von Holzöfen in bestimmten Wohngebieten verbieten oder den Einbau teurer Rußpartikelfilter verlangen. Kläre das vor der Unterschrift unter den Mietvertrag!

In 5 Schritten zur eigenen Pizzeria

1

Konzept & Standortsuche

Definiere dein Angebot (Neapolitanisch, Delivery, klassisch) und suche eine passende Immobilie. Achte zwingend auf die Möglichkeit, eine Gastro-Abluftanlage und ggf. einen Kamin für den Holzofen zu installieren.

2

Nutzungsänderung beantragen

Wenn in dem Ladenlokal vorher keine Gastronomie war, musst du beim Bauamt eine Nutzungsänderung beantragen. Das kann Monate dauern!

3

Umbau & Küchentechnik

Richte die Pizzeria nach den strengen Hygienevorschriften ein (abwaschbare Wände/Böden, Edelstahlmöbel, separates Handwaschbecken, Personaltoilette).

4

Genehmigungen einholen

Melde das Gewerbe an, absolviere die IfSG-Belehrung und beantrage ggf. die Gaststättenkonzession (falls Alkohol + Sitzplätze geplant sind). Sprich frühzeitig mit dem Schornsteinfeger!

5

Kassensystem & Eröffnung

Besorge dir eine zertifizierte Registrierkasse mit Technischer Sicherheitseinrichtung (TSE). Seit 2020 ist dies für alle Gastronomiebetriebe Pflicht. Melde dich zudem bei der Berufsgenossenschaft (BGN) an.

BGN: Pflichtanmeldung

Als Pizzeria-Betreiber bist du gesetzlich verpflichtet, deinen Betrieb bei der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) anzumelden. Sie ist der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für alle Gastronomie-Betriebe.

→ Mehr dazu: Versicherungen für Selbstständige

Schornsteinfeger prüft den Kaminzug eines Holzofens in einer deutschen Pizzeria mit Prüfbericht – Holzofen Pizzeria Genehmigung

Die richtige Rechtsform für deine Pizzeria

Die Wahl der Rechtsform ist bei der Pizzeria besonders wichtig, da das Haftungsrisiko durch Personenschäden (z. B. durch verdorbenes Essen) hoch ist. Ein Einzelunternehmen ist zwar schnell gegründet, du haftest jedoch mit deinem Privatvermögen. Viele Gründer entscheiden sich daher für eine UG (haftungsbeschränkt) oder GmbH.

RechtsformHaftungStartkapitalEignung
EinzelunternehmenUnbeschränkt (auch Privatvermögen)Kein MindestkapitalSchnell gegründet, aber volles Haftungsrisiko – z. B. bei Personenschäden durch dein Essen.
GbRUnbeschränkt (alle Gesellschafter solidarisch)Kein MindestkapitalFür Gründerteams möglich, aber riskant. Alle Partner haften mit dem Privatvermögen.
UG (haftungsbeschränkt)Beschränkt auf GesellschaftsvermögenAb 1 € (praktisch 3.000–5.000 €)Guter Einstieg mit Haftungsschutz. Günstig in der Gründung, aber mit Pflicht zur Rücklagenbildung.
GmbHBeschränkt auf Gesellschaftsvermögen25.000 €Schützt das Privatvermögen und wirkt professionell gegenüber Banken und Investoren.

→ Mehr dazu in unserem Ratgeber: Rechtsform wählen

Was kostet es, eine Pizzeria zu eröffnen?

Die Kosten für eine Pizzeria hängen extrem vom Zustand der Immobilie und deinem Konzept ab. Ein reiner Delivery-Betrieb in einer Nebenstraße ist deutlich günstiger als ein schickes Restaurant in der Innenstadt. Die folgende Tabelle gibt einen realistischen Überblick für die Neugründung einer klassischen Pizzeria mit Sitzplätzen (ca. 60–80 qm):

KostenpunktGeschätzte Kosten
Miete & Kaution (oft 3–6 Monatsmieten im Voraus)4.500 € – 15.000 €
Umbau & Renovierung (Fliesen, Sanitär, Gastro-Lüftungsanlage!)15.000 € – 60.000 €
Pizzaofen (Holzofen oder hochwertiger Elektro-/Gasofen)5.000 € – 20.000 €
Küchentechnik (Teigknetmaschine, Kühlzellen, Edelstahlmöbel)8.000 € – 25.000 €
Ladeneinrichtung (Tische, Stühle, Beleuchtung, Tresen)5.000 € – 15.000 €
Kassensystem (inkl. TSE-Zertifizierung)500 € – 1.500 €
Genehmigungen (Gewerbe, IfSG, ggf. Konzession & Bauantrag)300 € – 800 €
Branding & Marketing (Außenwerbung, Speisekarten, Website)2.000 € – 5.000 €
Erstausstattung Warenlager (Mehl, Tomaten, Käse, Kartons)2.000 € – 4.000 €
Liquiditätsreserve (für die ersten anlaufenden Monate)8.000 € – 20.000 €
Gesamtkapitalbedarf für den Startca. 50.300 € – 166.300 €

Tipp: Kostenlose Beratung für deinen Businessplan

Die Finanzierung einer Pizzeria – egal ob über einen Bankkredit oder Fördermittel – steht und fällt mit einem professionellen Businessplan. Du musst genau vorrechnen können, wie hoch dein Wareneinsatz pro Pizza ist und wie viele Pizzen du am Tag verkaufen musst, um deine Fixkosten zu decken (Break-Even-Point). Vergiss dabei nicht, die hohen Provisionen der Lieferdienste (oft 25–30 %) in deine Kalkulation einzubeziehen! Wenn du aktuell arbeitslos gemeldet bist, kannst du einen AVGS-Gutschein bei der Agentur für Arbeit beantragen – die Kosten für professionelle Gründungsberatung werden zu 100 % vom Staat übernommen.

FAQ – Häufige Fragen zur Gründung einer Pizzeria

Brauche ich als Pizzabäcker einen Meisterbrief?+
Nein. Der Beruf des Kochs oder Pizzabäckers ist kein zulassungspflichtiges Handwerk. Du benötigst weder einen Meisterbrief noch eine abgeschlossene Ausbildung in der Gastronomie, um eine Pizzeria zu eröffnen.
Sind Holzöfen in Pizzerien noch erlaubt?+
Ja. Das strenge Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) gilt nicht für Pizzaöfen. Allerdings muss der zuständige Bezirksschornsteinfegermeister den Ofen und den Kaminzug abnehmen. Zudem können lokale Luftreinhaltepläne der Städte den Betrieb einschränken.
Brauche ich für eine Pizzeria ein Gesundheitszeugnis?+
Nein, das 'Gesundheitszeugnis' wurde 2001 abgeschafft. Du und deine Mitarbeiter benötigen stattdessen eine Belehrung nach § 43 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) vom Gesundheitsamt.
Wann brauche ich eine Gaststättenkonzession?+
Eine Konzession brauchst du nur, wenn du alkoholische Getränke (z. B. Wein, Bier) ausschenkst UND gleichzeitig Sitzplätze für den Verzehr vor Ort anbietest. Ein reiner Delivery- oder Take-away-Betrieb braucht keine Konzession.
Was ist die TSE-Pflicht für Pizzerien?+
Seit 2020 müssen alle Gastronomiebetriebe in Deutschland eine elektronische Registrierkasse nutzen, die mit einer zertifizierten Technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) ausgestattet ist. Dies soll die Manipulation von Umsätzen (Steuerhinterziehung) verhindern.

Bereit, deine Pizzeria zu eröffnen?

Die Finanzierung und ein überzeugender Businessplan sind oft die größten Hürden. Wenn du aktuell arbeitslos gemeldet bist, hast du die Möglichkeit, einen AVGS-Gutschein bei der Agentur für Arbeit zu beantragen – die Kosten für dein Gründungscoaching werden zu 100 % vom Staat übernommen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder eine andere fachkundige Stelle. Alle Angaben ohne Gewähr.