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Gründungsleitfaden Pension

Pension eröffnen: Voraussetzungen, Brandschutz & wahre Kosten 2026

Wer glaubt, er könne einfach ein paar Zimmer vermieten und ein Schild „Pension" an die Tür hängen, irrt. Sobald du regelmäßig Gäste gegen Bezahlung aufnimmst, betreibst du ein Gewerbe – und das ruft das Bauamt, das Gewerbeamt und die Feuerwehr auf den Plan. Wir klären auf: warum der Brandschutz die teuerste Hürde ist, wann du eine Konzession brauchst und was sich bei der Meldepflicht 2025 geändert hat.

  • Nutzungsänderung beim Bauamt zwingend erforderlich
  • Brandschutz: Bis zu 30.000 € für Türen, Melder & Fluchtwege
  • Meldepflicht 2025: Für deutsche Gäste komplett abgeschafft
  • Kosten ab 43.550 € & AVGS-Förderung möglich

Lohnt sich eine eigene Pension?

Eine Pension unterscheidet sich rechtlich und konzeptionell von einem Hotel oder einer Ferienwohnung. Laut Deutschem Tourismusverband (DTV) ist eine Pension ein Beherbergungsbetrieb, der Unterkunft für mehr als eine Nacht anbietet und Speisen (meist nur Frühstück) überwiegend Hausgästen serviert.

Im Gegensatz zum Hotel (meist über 20 Zimmer, durchgehende Rezeption, Restaurant auch für externe Gäste) punktet die Pension mit einer familiären Atmosphäre und niedrigeren Betriebskosten. Im Gegensatz zur Ferienwohnung (Selbstverpflegung) bietest du einen Service an.

Zielgruppen & Lage

  • Tourismusregionen: Hohe Auslastung in der Saison, aber oft monatelange Flaute im Winter.
  • Stadtrand/Gewerbenähe: Fokus auf Monteure und Geschäftsreisende (stabile, ganzjährige Auslastung, aber weniger Zahlungsbereitschaft für 'Urlaubsflair').

Brauche ich einen Meisterbrief?

Nein. Das Betreiben einer Pension ist kein zulassungspflichtiges Handwerk. Du brauchst weder einen Meisterbrief noch eine abgeschlossene Ausbildung im Gastgewerbe. Wenn du Frühstück anbietest und auch externe Gäste bewirtest, benötigst du jedoch eine Gaststättenkonzession (inkl. IHK-Unterrichtungsnachweis) – außer in Baden-Württemberg ab 2026.

Brandschutzexperte prüft Fluchtwegplan und Brandschutztüren in einem deutschen Beherbergungsbetrieb – Brandschutz Pension

Die wichtigste Hürde: Bauamt & Brandschutz

Die Nutzungsänderung (Wohnraum wird Gewerbe)

Du musst beim zuständigen Bauamt einen Antrag auf Nutzungsänderung stellen. Das Gebäude wird rechtlich von „Wohnraum" zu einer „Beherbergungsstätte" umgewidmet. Das Bauamt prüft dabei unter anderem, ob ausreichend Parkplätze auf dem Grundstück vorhanden sind (Stellplatznachweis) und ob der Bebauungsplan eine gewerbliche Nutzung zulässt.

Die Beherbergungsstättenverordnung (Die teure Brandschutz-Falle)

Sobald du Gäste beherbergst, gelten extrem strenge Brandschutzauflagen. Je nach Bundesland greift ab einer bestimmten Größe (oft ab 12 Betten) die Beherbergungsstättenverordnung. Das bedeutet in der Praxis oft massive Umbaukosten:

Einbau von Brandschutztüren (T30/T90)
Vernetzte Rauchmelder oder eine komplette Brandmeldeanlage
Gekennzeichnete und beleuchtete Fluchtwege
Feuerlöscher auf allen Etagen
Ggf. Bau einer Außentreppe als zweiter Rettungsweg

Tipp: Brandschutz vor dem Kauf klären!

Kläre den Brandschutz vor dem Kauf oder der Anmietung einer Immobilie mit einem Brandschutzsachverständigen! Die Kosten hierfür können schnell 20.000 bis 50.000 Euro verschlingen.

Konzession, IfSG & die neue Meldepflicht 2025

Nur Hausgäste: Frühstück und Getränke ausschließlich an Übernachtungsgäste → keine Konzession nötig, einfache Gewerbeanmeldung reicht.
Externe Gäste: Frühstücksbuffet oder Bier auch für Laufkundschaft → Konzession erforderlich (inkl. IHK-Unterrichtungsnachweis und Führungszeugnis).
Sonderregel Baden-Württemberg ab 2026: Konzessionspflicht komplett abgeschafft – hier reicht auch bei externen Gästen eine einfache Anzeige.
Meldepflicht 2025: Für deutsche Gäste seit 1. Januar 2025 komplett entfallen. Für ausländische Gäste gilt sie weiterhin (handschriftlicher Meldeschein, 12 Monate aufbewahren).
Pensionsinhaberin füllt Meldeschein für ausländischen Gast an der Rezeption aus – Meldepflicht Pension 2025

In 5 Schritten zur eigenen Pension

1

Immobilie & Bauamt

Finde eine geeignete Immobilie und kläre zuerst mit dem Bauamt, ob eine Nutzungsänderung zur Beherbergungsstätte möglich ist und welche Brandschutzauflagen gelten.

2

Finanzierung & Umbau

Erstelle einen Businessplan, der die oft hohen Umbaukosten (Brandschutz, Sanitäranlagen) berücksichtigt. Beantrage Kredite oder Fördermittel.

3

Genehmigungen einholen

Melde das Gewerbe an. Wenn du Frühstück anbietest, absolviere die IfSG-Belehrung beim Gesundheitsamt.

4

Ausstattung & Buchungssystem

Richte die Zimmer ein und implementiere ein professionelles Buchungssystem (Property Management System), das mit Portalen wie Booking.com oder Airbnb synchronisiert.

5

Marketing & Eröffnung

Erstelle eine ansprechende Website mit Direktbuchungsmöglichkeit (spart Portal-Provisionen!) und melde dich bei Google My Business an.

BGN: Pflichtanmeldung

Als Pensionsbetreiber mit gastronomischem Angebot (Frühstück) bist du gesetzlich verpflichtet, deinen Betrieb bei der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) anzumelden. Sie ist der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für alle Gastronomiebetriebe.

→ Mehr dazu: Versicherungen für Selbstständige

Gemütlich eingerichtetes Pensionszimmer mit Doppelbett, Holzmöbeln und warmer Beleuchtung – Pension Zimmer einrichten

Die richtige Rechtsform für deine Pension

Für eine kleine Pension starten viele Gründer als Einzelunternehmen – das ist schnell und günstig. Wer jedoch größere Risiken absichern möchte (insbesondere bei hohen Umbaukosten und Krediten), sollte eine UG (haftungsbeschränkt) oder GmbH in Betracht ziehen.

RechtsformHaftungStartkapitalEignung
EinzelunternehmenUnbeschränkt (auch Privatvermögen)Kein MindestkapitalSchnell gegründet, für kleine Pensionen mit überschaubarem Risiko und geringen Umbaukosten.
GbRUnbeschränkt (alle Gesellschafter solidarisch)Kein MindestkapitalFür Gründerpaare möglich, aber alle Partner haften mit dem Privatvermögen.
UG (haftungsbeschränkt)Beschränkt auf GesellschaftsvermögenAb 1 € (praktisch 3.000–5.000 €)Guter Einstieg mit Haftungsschutz. Günstig in der Gründung, aber mit Pflicht zur Rücklagenbildung.
GmbHBeschränkt auf Gesellschaftsvermögen25.000 €Schützt das Privatvermögen und wirkt professionell gegenüber Banken und Investoren.

→ Mehr dazu in unserem Ratgeber: Rechtsform wählen

Was kostet es, eine Pension zu eröffnen?

Die Kosten hängen extrem davon ab, ob du eine Immobilie kaufst, pachtest oder ein bestehendes Wohnhaus umbaust. Die folgende Tabelle zeigt die typischen Startkosten für eine kleine Pension (ca. 8–10 Zimmer) in einer gemieteten/gepachteten Immobilie, die noch umgebaut werden muss. Wenn du die Immobilie kaufst, kommen schnell 300.000 € bis über 1 Million Euro hinzu.

KostenpunktGeschätzte Kosten
Nutzungsänderung & Baugenehmigung500 € – 5.000 €
Brandschutzmaßnahmen (Türen, Melder, Fluchtwege)5.000 € – 30.000 €
Renovierung & Sanitär (Bäder pro Zimmer)10.000 € – 40.000 €
Einrichtung & Möbel (Betten, Schränke, Frühstücksraum)15.000 € – 40.000 €
Gewerbeanmeldung & IfSG-Belehrung50 € – 100 €
Website & Buchungssystem (Setup)1.000 € – 3.000 €
Erstausstattung (Bettwäsche, Handtücher, Geschirr)2.000 € – 5.000 €
Liquiditätsreserve (für die ersten Monate)10.000 € – 20.000 €
Gesamtkapitalbedarf für den Startca. 43.550 € – 143.100 €

Unser Tipp: Kostenlose Beratung für deinen Businessplan

Der Umbau einer Immobilie zur Pension verschlingt oft mehr Geld als geplant – besonders der Brandschutz ist ein Budget-Killer. Um Banken für einen Kredit zu überzeugen, brauchst du einen detaillierten Businessplan, der Auslastungsquoten, Zimmerpreise und Portal-Provisionen realistisch kalkuliert. Wenn du aktuell arbeitslos gemeldet bist (ALG I oder Bürgergeld), kannst du einen AVGS-Gutschein bei der Agentur für Arbeit beantragen – die Kosten für professionelle Gründungsberatung werden zu 100 % vom Staat übernommen.

FAQ – Häufige Fragen zur Eröffnung einer Pension

Brauche ich eine Gaststättenkonzession für eine Pension?+
In der Regel nicht. Wenn du Speisen und Getränke (auch Alkohol) ausschließlich an deine Übernachtungsgäste ausgibst, reicht eine einfache Gewerbeanmeldung. Bewirtest du auch externe Gäste (Laufkundschaft), brauchst du eine Konzession (Ausnahme: Baden-Württemberg ab 2026).
Was hat sich bei der Meldepflicht 2025 geändert?+
Seit dem 1. Januar 2025 ist die Pflicht zum Ausfüllen von Meldescheinen für inländische (deutsche) Gäste komplett entfallen. Für ausländische Gäste musst du jedoch weiterhin handschriftliche Meldescheine ausfüllen lassen und 12 Monate aufbewahren.
Darf ich mein Wohnhaus einfach als Pension nutzen?+
Nein. Du musst beim zuständigen Bauamt einen Antrag auf Nutzungsänderung stellen. Das Gebäude wird rechtlich von 'Wohnraum' zu einer 'Beherbergungsstätte' umgewidmet, was strenge Brandschutz- und Stellplatzauflagen nach sich zieht.
Brauche ich ein Gesundheitszeugnis, um Frühstück zu machen?+
Nein, das 'Gesundheitszeugnis' wurde 2001 abgeschafft. Du und alle Mitarbeiter, die mit offenen Lebensmitteln arbeiten, benötigen stattdessen eine Belehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz (IfSG) vom Gesundheitsamt.
Muss ich Kurtaxe oder Übernachtungssteuer zahlen?+
Das hängt von deiner Gemeinde ab. In Kur- und Erholungsorten fällt oft eine Kurtaxe an. Viele Großstädte erheben eine City Tax oder Übernachtungssteuer (z. B. 5 % des Übernachtungspreises). Du musst diese Abgaben von den Gästen einziehen und an die Kommune abführen.

Bereit, deine Pension zu eröffnen?

Die Finanzierung und ein überzeugender Businessplan sind oft die größten Hürden. Wenn du aktuell arbeitslos gemeldet bist, hast du die Möglichkeit, einen AVGS-Gutschein bei der Agentur für Arbeit zu beantragen – die Kosten für dein Gründungscoaching werden zu 100 % vom Staat übernommen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder eine andere fachkundige Stelle. Alle Angaben ohne Gewähr.