Der größte Irrtum der Branche: Viele Gründer melden ein normales stehendes Gewerbe an – dabei brauchen die meisten Foodtrucks eine Reisegewerbekarte. Wir klären den Unterschied, zeigen wie du an Stellplätze kommst und welche Kosten auf dich zukommen.
Der Streetfood-Trend ist längst im Mainstream angekommen. Die Zeiten, in denen es am Imbisswagen nur Currywurst und Pommes gab, sind vorbei. Erfolgreiche Foodtrucks setzen heute auf hochspezialisierte Nischenkonzepte.
Die größte Herausforderung bleibt jedoch die Standortsuche. Ein Foodtruck ohne lukrative Stellplätze ist wie ein Restaurant ohne Gäste.
Erfolgreiche Nischenkonzepte

Der häufigste Fehler bei der Gründung eines Foodtrucks passiert direkt beim Gewerbeamt. Viele Gründer melden ein normales "stehendes Gewerbe" an. Für die meisten Foodtruck-Konzepte ist das jedoch falsch.
Wenn dein Foodtruck "mobil" ist und regelmäßig den Standort wechselt (z. B. montags vor Firma A, dienstags auf dem Wochenmarkt, am Wochenende auf einem Festival), betreibst du ein Reisegewerbe nach § 55 GewO.
Wenn dein Foodtruck dauerhaft an einem festen Standort steht (z. B. fest angemietet auf dem Parkplatz eines Baumarktes), handelt es sich um ein stehendes Gewerbe. Hier reicht die klassische Gewerbeanmeldung (ca. 20–60 €).
Achtung: Baugenehmigung bei dauerhaften Standorten
Wenn dein Foodtruck länger als drei Monate an ein und demselben Ort steht oder sehr regelmäßig am selben Platz erscheint, kann die Baubehörde den Truck als "bauliche Anlage" werten. In diesem Fall benötigst du eine Baugenehmigung nach der Landesbauordnung – selbst wenn der Truck Räder hat!

Das oft zitierte "Gesundheitszeugnis" wurde bereits 2001 abgeschafft. Heute benötigst du eine Belehrung nach § 43 IfSG vom Gesundheitsamt – für dich und alle Mitarbeiter Pflicht.
Eine Gaststättenerlaubnis (Konzession) benötigst du für einen Foodtruck in der Regel nicht, solange du die Speisen nur "auf die Hand" (Take-away) verkaufst. Sie wird erst fällig, wenn du alkoholische Getränke zum Verzehr an Ort und Stelle anbietest und dafür Sitzgelegenheiten aufstellst.
Konzept & Businessplan
Definiere deine Nische. Wer ist deine Zielgruppe? Wie hoch ist dein Wareneinsatz? Ein solider Businessplan ist Pflicht für Bankkredite oder Fördermittel.
Stellplätze sichern
Kläre die Standortfrage, bevor du den Truck kaufst. Sprich mit Grundstückseigentümern (Büroparks, Baumärkte) und Event-Veranstaltern.
Truck kaufen & ausbauen
Ob gebrauchter Postkoffer, amerikanischer Step-Van oder kompakter Anhänger – der Ausbau muss vom TÜV abgenommen werden und den Hygienevorschriften entsprechen.
Genehmigungen einholen
Beantrage die Reisegewerbekarte, absolviere die IfSG-Belehrung und melde dich beim Finanzamt an.
Versicherungen abschließen
Neben der Kfz-Versicherung brauchst du eine Betriebshaftpflichtversicherung (für Personenschäden durch dein Essen) und die Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft (BGN).
BGN: Pflichtanmeldung
Als Foodtruck-Betreiber bist du gesetzlich verpflichtet, deinen Betrieb bei der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) anzumelden. Sie ist der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für alle Gastronomie-Betriebe.
→ Mehr dazu: Versicherungen für Selbstständige

Die Wahl der Rechtsform ist beim Foodtruck besonders wichtig, da das Haftungsrisiko durch Personenschäden (z. B. durch verdorbenes Essen) hoch ist. Ein Einzelunternehmen ist zwar schnell gegründet, du haftest jedoch mit deinem Privatvermögen. Viele Gründer entscheiden sich daher für eine UG (haftungsbeschränkt) oder GmbH.
| Rechtsform | Haftung | Startkapital | Eignung |
|---|---|---|---|
| Einzelunternehmen | Unbeschränkt (auch Privatvermögen) | Kein Mindestkapital | Schnell gegründet, aber volles Haftungsrisiko – z. B. bei Personenschäden durch dein Essen. |
| GbR | Unbeschränkt (alle Gesellschafter solidarisch) | Kein Mindestkapital | Für Gründerteams möglich, aber riskant. Alle Partner haften mit dem Privatvermögen. |
| UG (haftungsbeschränkt) | Beschränkt auf Gesellschaftsvermögen | Ab 1 € (praktisch 3.000–5.000 €) | Guter Einstieg mit Haftungsschutz. Günstig in der Gründung, aber mit Pflicht zur Rücklagenbildung. |
| GmbH | Beschränkt auf Gesellschaftsvermögen | 25.000 € | Schützt das Privatvermögen und wirkt professionell gegenüber Banken und Investoren. |
→ Mehr dazu in unserem Ratgeber: Rechtsform wählen
Die Kosten variieren extrem. Ein gebrauchter, selbst ausgebauter Anhänger ist deutlich günstiger als ein fabrikneuer, voll ausgestatteter US-Truck. Die folgende Tabelle gibt einen realistischen Überblick für einen professionellen Start.
| Kostenpunkt | Geschätzte Kosten |
|---|---|
| Foodtruck (Fahrzeug) – Gebraucht vs. Neu | 20.000 € – 80.000 € |
| Gastro-Ausbau & Küchentechnik (Edelstahl, Lüftung, Kühlung, Grill/Fritteuse) | 10.000 € – 40.000 € |
| TÜV-Abnahme & Kfz-Zulassung | 500 € – 1.500 € |
| Genehmigungen (Reisegewerbekarte, IfSG-Belehrung) | 200 € – 600 € |
| Kassensystem & EC-Terminal | 800 € – 2.000 € |
| Branding & Außenwerbung (Folierung, Speisekarten, Website) | 2.000 € – 5.000 € |
| Erstausstattung Warenlager (Lebensmittel, nachhaltige Verpackungen) | 1.500 € – 3.000 € |
| Liquiditätsreserve (für Reparaturen und schwache Monate) | 5.000 € – 15.000 € |
| Gesamtkapitalbedarf für den Start | ca. 40.000 € – 147.100 € |
Tipp zur Finanzierung: Businessplan für die Bank
Die Finanzierung eines Foodtrucks scheitert oft an einem unzureichenden Businessplan. Banken wollen genau sehen, wie du die umsatzschwachen Wintermonate überbrückst und wie hoch deine Marge pro verkauftem Gericht ist. Wenn du aktuell arbeitslos gemeldet bist, kannst du einen AVGS-Gutschein beantragen – die Kosten für professionelle Gründungsberatung werden zu 100 % vom Staat übernommen.
Die Finanzierung und ein überzeugender Businessplan sind oft die größten Hürden. Wenn du aktuell arbeitslos gemeldet bist, hast du die Möglichkeit, einen AVGS-Gutschein bei der Agentur für Arbeit zu beantragen – die Kosten für dein Gründungscoaching werden zu 100 % vom Staat übernommen.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder eine andere fachkundige Stelle. Alle Angaben ohne Gewähr.