Café eröffnen: Voraussetzungen, Konzession & Kosten 2026

Ein eigenes Café zu eröffnen ist für viele der Inbegriff der beruflichen Selbstverwirklichung. Doch bevor der erste Cappuccino über den Tresen geht, warten strenge Hygiene- und Gewerbevorschriften – und eine häufig übersehene Meisterpflicht beim Backen.

  • Meisterpflicht: Eigenes Backen erfordert Konditor- oder Bäckermeister
  • IfSG-Belehrung für dich und alle Mitarbeiter mit Lebensmittelkontakt
  • Gaststättenerlaubnis nur bei Alkohol-Ausschank erforderlich
  • Kosten ab 41.500 € & AVGS-Förderung möglich

Lohnt sich ein eigenes Café?

Die Gastronomie ist ein hart umkämpfter Markt. Hohe Pachtpreise in den Innenstädten, steigende Personalkosten und die Konkurrenz durch große Bäckereiketten machen es Einzelkämpfern nicht leicht. Dennoch kann ein Café sehr lukrativ sein, wenn das Konzept stimmt und die Qualität überzeugt.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Spezialisierung und im Erlebnis. Kunden gehen heute nicht mehr nur in ein Café, um Koffein zu tanken – sie suchen einen Ort zum Wohlfühlen, Arbeiten oder Entspannen.

Erfolgreiche Café-Konzepte für Neugründungen

  • Specialty Coffee (Third Wave): Fokus auf hochwertige Bohnen, helle Röstungen und perfekte Zubereitung
  • Plant-based / Veganes Café: Wachsende Nachfrage nach pflanzlichen Milchalternativen und veganen Kuchen
  • Café & Concept Store: Kombination aus Café und Einzelhandel (Bücher, Blumen, Keramik) schafft zusätzliche Einnahmen
  • Coworking-Café: Auf Freiberufler und Studenten zugeschnitten, mit schnellem WLAN und Tagespauschalen
Professionelle Kaffeemaschinen und Mühlen in einem deutschen Café – Kaffeetechnik und Ausstattung

Die Meister-Frage: Darf ich meinen Kuchen selbst backen?

Eine der häufigsten rechtlichen Stolperfallen bei der Gründung eines Cafés ist die Handwerksordnung (HwO). Viele Gründer träumen davon, ihre Gäste mit selbstgebackenen Kuchen, Torten oder frischem Brot zu verwöhnen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten.

Reines Café (Zukauf von Backwaren) = zulassungsfrei

Wenn du ein Café eröffnest und deinen Kaffee ausschenkst, die Kuchen, Croissants und Brötchen aber von einer externen Bäckerei oder Konditorei zukaufst, benötigst du keinen Meisterbrief. In diesem Fall betreibst du ein reines Gaststättengewerbe, das handwerksrechtlich zulassungsfrei ist.

Café mit eigener Backstube = Meisterpflicht

Sobald du anfängst, in deinem Café selbst Kuchen, Torten, Brot oder Brötchen zu backen und zu verkaufen, fällst du unter die Meisterpflicht (Anlage A der HwO). Legale Auswege ohne eigenen Meisterbrief:

Betriebsleiter einstellen: Konditor- oder Bäckermeister in Vollzeit (mind. 4 Stunden täglich) sozialversicherungspflichtig anstellen
Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO: In seltenen Fällen möglich, an strenge Auflagen und meist eine Sachkundeprüfung gebunden
Konditor dekoriert eine Torte in einer professionellen Backstube – Meisterpflicht beim Backen im Café

Wichtige Genehmigungen & In 5 Schritten zum eigenen Café

Die Gaststättenerlaubnis (Konzession)

Café ohne Alkohol: Einfache Gewerbeanmeldung reicht in den meisten Bundesländern aus
Café mit Alkohol: Zwingend Gaststättenerlaubnis inkl. IHK-Gaststättenunterrichtung erforderlich

Die IfSG-Belehrung (kein „Gesundheitszeugnis" mehr)

Das klassische Gesundheitszeugnis wurde 2001 abgeschafft. Heute benötigen du und alle Mitarbeiter mit Lebensmittelkontakt eine Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Die Bescheinigung darf am ersten Arbeitstag nicht älter als drei Monate sein.

In 5 Schritten zum eigenen Café

1

Konzept und Businessplan

Dein Konzept (z. B. Specialty Coffee vs. klassisches Wiener Café) und deine Zielgruppe definieren. Detaillierte Finanzplanung ist unerlässlich.

2

Standort und Räumlichkeiten

Laufkundschaft, Strom- und Wasseranschlüsse für Siebträgermaschine (Starkstrom, Festwasseranschluss) und baurechtliche Zulassung prüfen.

3

Rechtsform wählen

Viele Café-Gründer starten als Einzelunternehmen. Bei hohen Krediten oder Haftungsrisiken ist GmbH oder UG sinnvoll.

4

Genehmigungen und Versicherungen

Gewerbeanmeldung, IfSG-Belehrung, ggf. Gaststättenerlaubnis, Sondernutzungserlaubnis für Außengastronomie, Betriebshaftpflicht.

5

GEMA, GEZ und Berufsgenossenschaft

GEMA-Gebühren für Musik (auch Spotify), Rundfunkbeitrag (GEZ) und Pflichtanmeldung bei der BGN (Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe).

BGN: Pflichtanmeldung

Als Inhaber eines Cafés bist du gesetzlich verpflichtet, deinen Betrieb bei der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) anzumelden. Sie ist der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für alle Gastronomie-Betriebe.

→ Mehr dazu: Versicherungen für Selbstständige

IfSG-Belehrungsbescheinigung des Gesundheitsamts auf einem Schreibtisch – Belehrung nach Infektionsschutzgesetz für Café-Gründer

Die richtige Rechtsform für dein Café

Viele Café-Gründer starten als Einzelunternehmen, da die Gründung unkompliziert ist. Wenn du jedoch hohe Kredite für den Umbau und die Einrichtung aufnehmen musst oder das Haftungsrisiko minimieren möchtest, kann die Gründung einer haftungsbeschränkten Gesellschaft (GmbH oder UG) sinnvoll sein.

RechtsformHaftungStartkapitalEignung
EinzelunternehmenUnbeschränkt (auch Privatvermögen)Kein MindestkapitalSchnell gegründet, aber volles Haftungsrisiko. Geeignet für sehr kleine Cafés ohne hohe Kredite.
GbRUnbeschränkt (alle Gesellschafter solidarisch)Kein MindestkapitalFür Gründerteams möglich, aber riskant. Alle Partner haften mit dem Privatvermögen.
UG (haftungsbeschränkt)Beschränkt auf GesellschaftsvermögenAb 1 € (praktisch 3.000–5.000 €)Guter Einstieg mit Haftungsschutz. Günstig in der Gründung, aber mit Pflicht zur Rücklagenbildung.
GmbHBeschränkt auf Gesellschaftsvermögen25.000 €Empfehlenswert bei hohen Umbau- und Einrichtungskosten. Schützt das Privatvermögen und wirkt professionell gegenüber Banken.

→ Mehr dazu in unserem Ratgeber: Rechtsform wählen

Was kostet es, ein Café zu eröffnen?

Die Kosten für die Eröffnung eines Cafés werden oft drastisch unterschätzt. Besonders die professionelle Kaffeetechnik und der Umbau der Räumlichkeiten verschlingen viel Kapital. Die folgende Tabelle gibt einen realistischen Überblick für ein mittelgroßes Café (ca. 30 bis 50 Sitzplätze).

KostenpunktGeschätzte Kosten
Kaution und Maklerprovision (für die Gewerbeimmobilie)3.000 € – 10.000 €
Umbau und Renovierung (Toiletten, Elektrik, Wasseranschlüsse, Boden)5.000 € – 50.000 €
Einrichtung und Mobiliar (Tresenbau, Sitzmöbel, Beleuchtung, Vitrinen)10.000 € – 40.000 €
Kaffeetechnik (Profi-Siebträgermaschine, 2–3 Mühlen, Wasserfilter)5.000 € – 20.000 €
Küchen- und Kühlausstattung (Kühlschränke, Spülmaschine, Eiswürfelbereiter)5.000 € – 15.000 €
Kassensystem (TSE-konform, Pflicht in der Gastronomie)1.500 € – 4.000 €
Erstausstattung Warenlager (Kaffee, Milch, Geschirr, Take-away-Becher)2.000 € – 5.000 €
Liquiditätsreserve (für Pacht und Personal in der Anlaufphase)10.000 € – 20.000 €
Gesamtkapitalbedarf für den Startca. 41.500 € – 164.000 €

Tipp zur Finanzierung: Kaffeemaschine leasen

Um die hohen Anfangsinvestitionen zu reduzieren, kannst du die teure Kaffeemaschine und die Mühlen oft leasen. Die monatlichen Leasingraten lassen sich direkt aus den laufenden Einnahmen bedienen und steuerlich voll absetzen.

FAQ – Häufige Fragen zur Eröffnung eines Cafés

Brauche ich einen Meisterbrief, um ein Café zu eröffnen?+
Für den reinen Betrieb eines Cafés (Ausschank von Kaffee, Verkauf von zugekauften Kuchen) brauchst du keinen Meisterbrief. Sobald du jedoch selbst Kuchen, Torten oder Brot backst und verkaufst, fällst du unter die Handwerksordnung und benötigst einen Meisterbrief als Konditor oder Bäcker (oder musst einen Betriebsleiter einstellen).
Was ist der Unterschied zwischen Gesundheitszeugnis und IfSG-Belehrung?+
Das klassische Gesundheitszeugnis (mit ärztlicher Untersuchung) wurde 2001 abgeschafft. Heute benötigst du eine Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Diese wird vom Gesundheitsamt durchgeführt und klärt über Hygienevorschriften auf. Sie ist für alle Pflicht, die mit offenen Lebensmitteln arbeiten.
Wann brauche ich eine Gaststättenerlaubnis (Konzession)?+
Eine formelle Gaststättenerlaubnis (Konzession) benötigst du in der Regel nur, wenn du in deinem Café alkoholische Getränke ausschenkst. Für ein rein alkoholfreies Café reicht meist eine einfache Gewerbeanmeldung, sofern die Räume baurechtlich für die Gastronomie zugelassen sind.
Muss ich GEMA-Gebühren zahlen, wenn ich nur Spotify laufen lasse?+
Ja, absolut. Sobald Musik in einem gewerblichen Raum öffentlich hörbar ist, fallen GEMA-Gebühren an. Ein privater Spotify-Account darf zudem laut den AGB von Spotify gar nicht gewerblich genutzt werden; hierfür benötigst du spezielle B2B-Musikdienste.
Welche Berufsgenossenschaft ist für Cafés zuständig?+
Für alle Betriebe der Gastronomie, also auch für Cafés, ist die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) zuständig. Die Anmeldung ist gesetzliche Pflicht und dient dem Unfallschutz deiner Mitarbeiter.

Bereit, dein Café zu eröffnen?

Die Gastronomie verzeiht keine Rechenfehler. Ein solider Businessplan ist nicht nur für die Bank wichtig, sondern deine persönliche Überlebensversicherung. Wenn du aktuell arbeitslos gemeldet bist, hast du die Möglichkeit, einen AVGS-Gutschein bei der Agentur für Arbeit zu beantragen – die Kosten für dein Gründungscoaching werden zu 100 % vom Staat übernommen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen Steuerberater, Rechtsanwalt oder eine andere fachkundige Stelle. Alle Angaben ohne Gewähr.

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AVGS-geförderte Coachings werden in Kooperation mit dem AZAV-zertifizierten Bildungsträger Erfolgspfad durchgeführt. FoundingFits ist selbst kein zugelassener Maßnahmenträger nach AZAV.