Augenoptiker gründen: Meisterpflicht, Kosten & Krankenkassen

Von Maximilian Rothenberger, IHK-zertifizierter Gründungsberater · geprüft am 2.10.2026

Du verstehst dein Handwerk und deine Kunden. Den Weg zum eigenen Geschäft gehen wir gemeinsam: Meisterfrage, Investition, Kassen und Förderung.

  • Kein Meisterbrief? Optometrie-Studium oder angestellter Meister sind anerkannte Wege.
  • Hohe Investition? Für den KfW-Gründerkredit brauchst du kein Eigenkapital.
  • Angst vor den Filialisten? Spezialisierung und persönliche Beratung sind dein Vorteil gegenüber Ketten.
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Augenoptiker passt einer Kundin im Geschäft eine Brille an, im Hintergrund beleuchtete Regale mit Brillenfassungen

Kurz gesagt

Wer als Augenoptiker gründen will, braucht die Eintragung in die Handwerksrolle. Augenoptik ist ein meisterpflichtiges Gesundheitshandwerk, die Altgesellenregelung gilt hier nicht. Möglich sind Meisterbrief, ein passendes Optometrie-Studium oder ein angestellter Meister als Betriebsleiter. Für Ladenbau, Messtechnik, Werkstatt und Ware rechnest du grob mit 150.000 bis 300.000 Euro. Für Kassenrezepte brauchst du zusätzlich Präqualifizierung und Versorgungsvertrag.

Gesundheitshandwerk

Augenoptiker steht in Anlage A der Handwerksordnung. Die Altgesellenregelung gilt nicht.

Investition

Grob 150.000 bis 300.000 Euro für Ladenbau, Messtechnik, Werkstatt, Ware und Reserve.

Krankenkassen

Für Kassenrezepte brauchst du Präqualifizierung und einen Versorgungsvertrag.

Werbung

Brillengläser und Kontaktlinsen sind Medizinprodukte. Das Heilmittelwerbegesetz gilt.

Handwerksordnung

Brauche ich als Augenoptiker einen Meisterbrief?

In der Regel ja. Augenoptiker ist ein zulassungspflichtiges Gesundheitshandwerk nach Anlage A der Handwerksordnung. Für den eigenen Betrieb brauchst du die Eintragung in die Handwerksrolle. Die Altgesellenregelung ist für Gesundheitshandwerke ausgeschlossen. Es bleiben Meisterbrief, gleichwertiger Hochschulabschluss, Ausnahmebewilligung oder ein angestellter Betriebsleiter.

WegVoraussetzungPasst für
MeisterbriefMeisterprüfung im Augenoptiker-Handwerkden klassischen Weg
Studium Augenoptik oder Optometrie (§ 7 HwO)abgeschlossenes Hochschulstudium in passender FachrichtungOptometristen
Ausnahmebewilligung (§ 8 HwO)Nachweis meistergleicher Kenntnisse im EinzelfallSonderfälle
Betriebsleiterangestellter Meister oder Optometrist, der den Betrieb tatsächlich fachlich leitetGründer ohne eigene Qualifikation
Altgesellenregelung (§ 7b HwO)gilt für Gesundheitshandwerke nichtkein Weg für Augenoptiker

Gut zu wissen

Ob dein Abschluss oder dein Betriebsleiter-Modell anerkannt wird, entscheidet die Handwerkskammer. Kläre das, bevor du einen Mietvertrag unterschreibst.
Krankenkassen

Wie rechne ich Brillen mit den Krankenkassen ab?

Dafür brauchst du die oft so genannte Kassenzulassung, also eine Präqualifizierung nach § 126 SGB V, und den Beitritt zu einem Versorgungsvertrag mit den Kassen. Für den Betrieb selbst ist das keine Pflicht. Ohne diese Schritte kannst du aber keine Brillen zulasten der Kassen abgeben. Das betrifft vor allem Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene mit sehr starker Fehlsichtigkeit.

  1. 1

    Präqualifizierung beantragen

    Bei einer Präqualifizierungsstelle weist du räumliche, sachliche und personelle Voraussetzungen nach: Refraktionsraum, Werkstatt, Messgeräte und fachliche Leitung. Das Zertifikat gilt höchstens fünf Jahre.
  2. 2

    Versorgungsvertrag

    Mit dem Nachweis trittst du den Verträgen nach § 127 SGB V bei, die Verbände mit den Kassen geschlossen haben.
  3. 3

    Abrechnung einrichten

    Branchensoftware oder ein Abrechnungszentrum übernimmt die Abrechnung mit den Kassen.

Die Kassen zahlen nur die medizinisch notwendigen Gläser zu vertraglich festgelegten Preisen. Die Fassung tragen Versicherte in der Regel selbst. Meist brauchen sie dafür eine augenärztliche Verordnung. Plane für die Präqualifizierung mehrere Wochen ein. Wie Präqualifizierung und Kassenverträge bei anderen Hilfsmitteln laufen, zeigt Sanitätshaus eröffnen.

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Investition

Was kostet die Gründung eines Optikergeschäfts?

Für ein Geschäft mit rund 80 bis 100 Quadratmetern rechnest du grob mit 150.000 bis 300.000 Euro. Den größten Teil machen Ladenbau, Refraktionseinheit und Messgeräte sowie die erste Ware aus. Geräte zu leasen oder generalüberholt zu kaufen, senkt den Kapitalbedarf am Anfang deutlich.

KostenpositionBetrag
Ladenbau und Einrichtung50.000 – 100.000 €
Refraktionseinheit und Messgeräte30.000 – 60.000 €
Werkstatt (Schleifautomat, Scheitelbrechwertmesser)15.000 – 30.000 €
Erste Ware (Fassungen, Kontaktlinsen, Pflegemittel)20.000 – 50.000 €
Kasse mit TSE und Branchensoftware5.000 – 10.000 €
Marketing und Eröffnung5.000 – 10.000 €
Gründungskosten und Mietkaution5.000 – 10.000 €
Liquiditätsreserve20.000 – 30.000 €
Gesamtrund 150.000 – 300.000 €

Richtwerte. Die Beträge hängen von Lage, Größe und Neu- oder Gebrauchtkauf ab.

Bei dieser Summe schaut die Bank genau auf deinen Finanzplan. Eine Alternative ist die Übernahme eines bestehenden Geschäfts, mehr dazu unter Handwerksbetrieb übernehmen.

Augenoptikerin richtet ihren neuen Laden ein, Ladenbau und Ware sind die größten Kosten der Gründung
Positionierung

Wie behauptest du dich gegen die großen Filialisten?

Über den Preis gewinnst du gegen große Ketten kaum. Erfolgreiche inhabergeführte Geschäfte setzen auf Spezialisierung, Zeit für Beratung und Leistungen, die Ketten selten anbieten. Wähle ein oder zwei Schwerpunkte, die zu deinem Standort und deinen Fähigkeiten passen, und mache sie in deiner Werbung klar sichtbar.

Optometrie

Erweiterte Sehprüfungen und Screenings. Bei Auffälligkeiten verweist du an Augenärzte, Diagnosen stellst du nicht.

Kinder und Kurzsichtigkeit

Spezielle Gläser und Kontaktlinsen für Kinder, in Abstimmung mit dem Augenarzt. Viele Kinderbrillen laufen über Kassenrezept.

Sportoptik

Individuell angepasste Sportbrillen für Radfahrer, Golfer oder Schützen. Kunden schätzen Fachwissen mehr als Rabatte.

Vergrößernde Sehhilfen

Lupen und Spezialsehhilfen für Menschen mit starker Sehbehinderung. Die Beratung ist intensiv, die Kundenbindung hoch.
Augenoptiker passt eine Sportbrille an, Spezialisierung hilft gegen große Filialisten
Werberecht

Was musst du bei der Werbung beachten?

Brillengläser und Kontaktlinsen sind Medizinprodukte, deshalb gilt für deine Werbung das Heilmittelwerbegesetz. Du darfst Leistungen, Preise und deine Qualifikation sachlich herausstellen. Verboten sind Heil- oder Wirkversprechen und Werbung, die mit Angst vor Krankheiten arbeitet. Auch Werbegeschenke und Zugaben sind nur eingeschränkt erlaubt.

In der Regel unproblematisch

  • Sachliche Infos zu Sehtest, Brillen und Kontaktlinsen
  • Preise und Rabatte in Euro
  • Qualifikation, Ausstattung und Öffnungszeiten

Vermeiden

  • Versprechen, dass ein Produkt Kurzsichtigkeit stoppt oder heilt
  • Werbung mit Angst vor Augenerkrankungen
  • Wertvolle Gratis-Zugaben zum Brillenkauf
Rechtsform

Welche Rechtsform passt zum Optikergeschäft?

Das hängt von Investition, Haftungsrisiko und Zahl der Gründer ab. Viele starten als Einzelunternehmen, weil es einfach und günstig ist. Bei hohen Investitionen oder mehreren Gesellschaftern kommt eine GmbH oder UG infrage. Die Haftungsbeschränkung hilft aber wenig, wenn die Bank ohnehin eine persönliche Bürgschaft verlangt.

RechtsformHaftungMindestkapitalTypisch für
Einzelunternehmenunbeschränkt, auch privatkeinsGründung allein, einfacher Start
GbRunbeschränkt, alle GesellschafterkeinsGründung zu zweit
UG (haftungsbeschränkt)Gesellschaftsvermögenab 1 €Haftungsschutz mit wenig Kapital
GmbHGesellschaftsvermögen25.000 €größere Geschäfte, mehrere Gesellschafter

Die Entscheidung solltest du mit Steuerberatung treffen. Einen Überblick gibt Rechtsform wählen.

Schritt für Schritt

Welche Schritte führen zum eigenen Optikergeschäft?

Erst klärst du die Meisterfrage und rechnest dein Konzept mit Standort und Investition durch. Dann folgen Finanzierung, Eintragung in die Handwerksrolle, Gewerbe, Finanzamt und Berufsgenossenschaft. Die Präqualifizierung startest du früh. Wer den Gründungszuschuss nutzen will, stellt den Antrag vor dem Start der Selbstständigkeit.

  1. 1

    Konzept und Businessplan

    Standort, Zielgruppe, Schwerpunkte und Finanzplan festlegen. Hilfe dazu unter Businessplan erstellen.
  2. 2

    Finanzierung klären

    Kredit und Förderung vor dem Start beantragen, nicht danach.
  3. 3

    Handwerksrolle

    Eintragung bei der Handwerkskammer mit Meisterbrief, Studienabschluss oder Betriebsleiter.
  4. 4

    Gewerbe und Finanzamt

    Gewerbe anmelden und innerhalb eines Monats den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER einreichen. Mehr unter Gewerbe anmelden.
  5. 5

    Berufsgenossenschaft

    Den Betrieb innerhalb einer Woche bei der zuständigen Berufsgenossenschaft anmelden.
  6. 6

    Präqualifizierung und Kassenverträge

    Verfahren früh starten, damit du ab Eröffnung Kassenrezepte annehmen kannst.

Rentenversicherung einplanen

Bist du mit deiner eigenen Qualifikation in die Handwerksrolle eingetragen, bist du in der Regel für die ersten 18 Jahre rentenversicherungspflichtig. Der Beitrag gehört von Anfang an in die Kalkulation.

Mehr zu anderen Berufen im Gesundheitswesen findest du unter Selbstständig im Gesundheitsbereich.

Aus meiner Praxis

Banken achten weniger auf die Idee als auf Zahlen und Eigenanteil. Ein Finanzplan, der seine Annahmen begründet, ist im Bankgespräch die halbe Miete.

– Maximilian Rothenberger, IHK-zertifizierter Gründungsberater

Förderung

Welche Förderung kommt für deine Gründung infrage?

Welche Förderung passt, hängt vor allem davon ab, ob du arbeitsuchend gemeldet bist, Arbeitslosengeld beziehst und was du investieren musst. Über jeden Antrag entscheidet die zuständige Stelle im Einzelfall.

Welche Förderung passt zu dir?Der Gründungsnavigator zeigt es dir in 2 Minuten, kostenlos und ohne Anmeldung.

AVGS-Gründungscoaching

Wenn du arbeitsuchend oder arbeitslos gemeldet bist, kann die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein ausstellen. Mit bewilligtem Gutschein ist das Gründungscoaching für dich kostenfrei.

AVGS-Gründercoaching

Gründungszuschuss

Beziehst du Arbeitslosengeld I und hast bei der Gründung noch mindestens 150 Tage Anspruch, kannst du den Gründungszuschuss beantragen. Er ist eine Ermessensleistung und setzt Businessplan und Tragfähigkeitsbescheinigung voraus.

Gründungszuschuss

Förderkredite

Für Investitionen und Betriebsmittel gibt es zinsgünstige Kredite, etwa den ERP-Gründerkredit der KfW über deine Hausbank. Eine Bank erwartet dafür einen schlüssigen Businessplan mit Finanzplan.

KfW-Gründerkredit

Für Handwerker gibt es in einigen Ländern Meistergründungsprämien. Ob das in deinem Bundesland gilt und in welcher Höhe, erfährst du bei deiner Handwerkskammer. Den Vorbereitungskurs zur Meisterprüfung fördert das Aufstiegs-BAföG.

Der ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW finanziert laut KfW bis zu 200.000 Euro, Eigenkapital ist dafür nicht erforderlich (Stand Februar 2026). Bei einem höheren Bedarf kommen weitere Förderkredite über die Hausbank infrage.

So begleite ich dich

Wie läuft das Gründungscoaching mit mir ab?

  1. 1

    Kostenloser Gründungscheck

    In 10 Minuten siehst du, wo du stehst und welcher nächste Schritt für dich sinnvoll ist.

  2. 2

    Förderung klären

    Ich sage dir, ob ein AVGS infrage kommt und wie du ihn bei Agentur für Arbeit oder Jobcenter ansprichst.

  3. 3

    Gemeinsam ausarbeiten

    Geschäftsmodell, Businessplan und Finanzplan, online oder vor Ort, in deinem Tempo.

  4. 4

    Sicher starten

    Du hast vollständige Unterlagen für Bank und Agentur für Arbeit und einen klaren Plan für die ersten Monate.

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FAQ

Häufige Fragen: Augenoptiker gründen

Kann ich als Quereinsteiger ein Optikergeschäft eröffnen?

Ja, wenn du einen Augenoptikermeister oder eine gleichwertig qualifizierte Fachkraft als Betriebsleiter anstellst. Du übernimmst dann die kaufmännische Leitung. Bedenke, dass dein Betrieb an dieser Person hängt und du bei einem Wechsel schnell Ersatz brauchst.

Was ist der Unterschied zwischen Augenoptiker und Optometrist?

Der Augenoptikermeister ist eine handwerkliche Fortbildung. Optometristen haben in der Regel ein Hochschulstudium in Augenoptik oder Optometrie mit mehr Wissen zu Funktionsprüfungen des Auges. Beide Abschlüsse führen in der Regel zur Eintragung in die Handwerksrolle. Diagnosen und Behandlungen bleiben Augenärzten vorbehalten.

Darf ich im Geschäft Sehtests anbieten?

Ja. Die Bestimmung der Sehstärke für Brillen und Kontaktlinsen gehört zum Augenoptiker-Handwerk. Bei Auffälligkeiten, die auf eine Erkrankung hindeuten können, verweist du an einen Augenarzt. In der Werbung für Sehtests gelten die Regeln des Heilmittelwerbegesetzes.

Kann ich ein bestehendes Optikergeschäft übernehmen?

Ja, und für viele ist das der leichtere Einstieg, weil Kundenstamm, Messtechnik und Kassenverträge schon da sind. Prüfe die Zahlen der letzten Jahre, den Zustand der Geräte und den Mietvertrag. Die Arbeitsverhältnisse gehen bei einer Übernahme in der Regel mit über.

Bin ich als selbstständiger Augenoptiker rentenversicherungspflichtig?

Wenn du mit deiner eigenen Qualifikation in die Handwerksrolle eingetragen bist, in der Regel ja, und zwar für die ersten 18 Jahre. Danach kannst du dich befreien lassen. Den Beitrag solltest du von Anfang an im Finanzplan berücksichtigen.

Welche Versicherungen braucht ein Optikergeschäft?

Praktisch unverzichtbar sind eine Betriebshaftpflicht und eine Inhaltsversicherung für Messgeräte, Werkstatt und Ware. Dazu kommen die Pflichtanmeldung bei der Berufsgenossenschaft und deine eigene Kranken- und Altersvorsorge. Sinnvoll ist oft eine Absicherung gegen Betriebsunterbrechung.

Maximilian Rothenberger

Über den Autor

Maximilian Rothenberger

IHK-zertifizierter Gründungsberater · B.Sc. Wirtschaftspsychologie

Seit 2021 habe ich rund 50 Gründungsvorhaben begleitet, als Dozent und Coach seit 2016 über 10.000 Menschen unterrichtet und gecoacht. Ich kenne Gründung mit ihren Höhen und Rückschlägen aus eigener Erfahrung, und genau das fließt in jede Beratung ein.

Inhalt geprüft am 2.10.2026

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an eine Steuerberatung, eine Anwaltskanzlei oder eine andere zuständige Beratungsstelle. Alle Angaben ohne Gewähr.