Berufsgenossenschaft für Selbstständige:Pflicht, Anmeldung und Beitrag
Du willst sauber anmelden und im Ernstfall abgesichert sein. Hier erfährst du, welche Berufsgenossenschaft zuständig ist und ob du selbst versichert bist.
- Keine Ahnung, welche BG? Die DGUV-Infoline nennt dir die zuständige Berufsgenossenschaft kostenfrei.
- Angst vor Bürokratie? Mit Gewerbeanmeldung ist die Meldung meist schon erledigt.
- Unsicher, ob du versichert bist? Das steht im Gesetz oder in der Satzung deiner Berufsgenossenschaft.
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Kurz gesagt
Berufsgenossenschaft für Selbstständige heißt zuerst: Jedes Unternehmen meldest du innerhalb einer Woche nach dem Start bei der zuständigen Berufsgenossenschaft. Eine rechtzeitige Gewerbeanmeldung gilt dabei als Meldung. Beschäftigte sind automatisch versichert. Ob du als Inhaber selbst pflichtversichert bist, regeln Gesetz und Satzung, etwa bei der BGW für Gesundheitsberufe und Friseure. Sonst kannst du dich freiwillig versichern. Welche Berufsgenossenschaft zuständig ist, sagt dir die DGUV-Infoline.
Meldung in einer Woche
Gilt für alle Unternehmen. Eine rechtzeitige Gewerbeanzeige zählt als Meldung.
Beschäftigte
Sind kraft Gesetz versichert. Den Beitrag zahlst du als Arbeitgeber allein.
Du als Inhaber
Pflichtversichert nach Gesetz oder Satzung, sonst freiwillige Versicherung möglich.
Zuständigkeit klären
DGUV-Infoline 0800 60 50 40 4, montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr.
Müssen Selbstständige in die Berufsgenossenschaft?
Melden muss sich jedes Unternehmen, auch ohne Mitarbeiter. Pflichtversichert sind aber vor allem deine Beschäftigten, sobald du jemanden einstellst. Für dich als Inhaber gilt: In manchen Branchen bist du kraft Gesetz oder Satzung selbst versichert, in den meisten nicht. Dann entscheidest du, ob du dich freiwillig gegen Arbeits- und Wegeunfälle versicherst.
- Meldung des Unternehmens innerhalb einer Woche nach dem Start, nach § 192 SGB VII.
- Beschäftigte, auch Minijobber und Auszubildende, sind ab dem ersten Arbeitstag versichert.
- Inhaber: pflichtversichert, wenn Gesetz oder Satzung der Berufsgenossenschaft das vorsehen, sonst freiwillig.
Wann bist du als Unternehmer selbst pflichtversichert?
Selbstständige im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege sind kraft Gesetz versichert, zum Beispiel in der Pflege, als Hebamme oder in der Physiotherapie. Ausgenommen sind unter anderem Ärzte, Zahnärzte, Heilpraktiker und Apotheker. Außerdem kann die Satzung einer Berufsgenossenschaft Unternehmer versichern, bei der BGW etwa im Friseurhandwerk. Alle anderen versichern sich freiwillig.
| Wer | Versicherung als Inhaber | Grundlage |
|---|---|---|
| Selbstständige in Gesundheitswesen und Wohlfahrtspflege, z. B. Pflege, Hebammen, Physiotherapie, Logopädie, Kindertagespflege | pflichtversichert, meist bei der BGW | § 2 Abs. 1 Nr. 9 SGB VII |
| Selbstständige Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Psychotherapeuten, Heilpraktiker, Apotheker | versicherungsfrei, freiwillige Versicherung möglich | § 4 Abs. 3 SGB VII |
| Friseurhandwerk | pflichtversichert bei der BGW, ebenso mitarbeitende Ehe- oder Lebenspartner | Satzung der BGW |
| Unternehmer anderer Branchen | je nach Satzung, meist freiwillig | § 3 und § 6 SGB VII |
Quellen: SGB VII, BGW (Pflichtversicherung für Unternehmerinnen und Unternehmer). Stand Oktober 2026. Was für dich gilt, bestätigt deine Berufsgenossenschaft.
Beispiele aus der Praxis findest du unter Selbstständig als Physiotherapeut und Friseursalon eröffnen.

Lohnt sich die freiwillige Unternehmerversicherung?
Das hängt von deinem Unfallrisiko und deiner übrigen Absicherung ab. Die Berufsgenossenschaft leistet bei Arbeitsunfällen, Wegeunfällen und Berufskrankheiten mit Heilbehandlung, Reha, Verletztengeld und Rente bei bleibenden Schäden. Die Versicherung beginnt am Tag nach Eingang deines Antrags, rückwirkend geht es nicht. Zahlst du den Beitrag zwei Monate nach Fälligkeit nicht, erlischt sie.
Arbeitsunfall
Wegeunfall
Berufskrankheit
Welche Berufsgenossenschaft ist für dich zuständig?
Zuständig ist die Berufsgenossenschaft deiner Branche, eine freie Wahl gibt es nicht. Für Bau ist es die BG BAU, für Gastronomie die BGN, für Gesundheitsberufe und Friseure die BGW, für Büro- und Beratungsberufe meist die VBG. Bist du unsicher, nennt dir die kostenfreie DGUV-Infoline unter 0800 60 50 40 4 die zuständige Stelle.
| Branche (Beispiele) | Berufsgenossenschaft |
|---|---|
| Hoch- und Tiefbau, Maler- und Bodenbelagsarbeiten, Gebäudereinigung | BG BAU (Bauwirtschaft) |
| Gesundheitsdienst, Pflege, Friseure, Kosmetik | BGW (Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege) |
| Gaststätten, Hotels und übriges Gastgewerbe, Nahrungsmittel, Fleischerei | BGN (Nahrungsmittel und Gastgewerbe) |
| Einzel- und Großhandel, Lagerei | BGHW (Handel und Warenlogistik) |
| Holz- und Metallverarbeitung, Maschinenbau | BGHM (Holz und Metall) |
| Elektro, Energie, Textil, Druck und Papierverarbeitung | BG ETEM (Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse) |
| Güterverkehr, Personenbeförderung und Taxi, Fahrschulen | BG Verkehr (Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation) |
| Büro und Verwaltung, IT, Beratung, Bildungseinrichtungen, freie Berufe | VBG (Verwaltungs-Berufsgenossenschaft) |
| Chemische Industrie, Bergbau und Steinbruch, Papierherstellung | BG RCI (Rohstoffe und chemische Industrie) |
Beispiele nach den Angaben von DGUV und Berufsgenossenschaften, keine vollständige Liste. Grenzfälle wie Kurier- und Paketdienste können je nach Betrieb unterschiedlich zugeordnet sein. Maßgeblich ist die Art deines Unternehmens; die verbindliche Zuständigkeit klärt die Berufsgenossenschaft oder die DGUV-Infoline. Landwirtschaft: SVLFG. Stand Oktober 2026.
Wie das in der Praxis aussieht, etwa mit der BGHM für eine Kfz-Werkstatt, zeigt Kfz-Werkstatt eröffnen.
Wie meldest du deinen Betrieb bei der Berufsgenossenschaft an?
Die Meldung ist innerhalb einer Woche nach dem Start fällig. Hast du ein Gewerbe rechtzeitig angemeldet, gilt die Pflicht als erfüllt, weil die Berufsgenossenschaft eine Durchschrift bekommt. Freiberufler melden sich selbst. Am einfachsten geht das online über das Serviceportal der gesetzlichen Unfallversicherung. Danach bekommst du deine Mitgliedsnummer und den Bescheid zur Veranlagung.
- 1
Zuständigkeit klären
Branche bestimmen, im Zweifel bei der DGUV-Infoline nachfragen. - 2
Melden
Mit der Gewerbeanmeldung oder, als Freiberufler, selbst online innerhalb einer Woche. - 3
Eigenen Schutz klären
Prüfen, ob du pflichtversichert bist, sonst über eine freiwillige Versicherung entscheiden. - 4
Mitgliedsnummer nutzen
Die Nummer brauchst du für die Lohnabrechnung, sobald du Mitarbeiter hast.
Wie die Anmeldung beim Finanzamt ohne Gewerbe läuft, erklärt Freiberuflich anmelden. Ob du überhaupt ein Gewerbe hast, klärt Freiberufler oder Gewerbe.

Was kostet die Berufsgenossenschaft für Selbstständige?
Einen festen Preis gibt es nicht. Die Berufsgenossenschaft legt ihre Kosten nachträglich um. Für Beschäftigte richtet sich der Beitrag nach den Arbeitsentgelten, der Gefahrklasse deiner Branche und dem Beitragsfuß des Jahres. Für dich als Unternehmer zählt meist eine Versicherungssumme, die du in festen Grenzen wählst. Die Summe bestimmt auch die Höhe der Geldleistungen im Ernstfall.
| Bestandteil | Was er bedeutet |
|---|---|
| Arbeitsentgelte | Summe der Löhne deiner Beschäftigten im Jahr |
| Gefahrklasse | Unfallrisiko deiner Branche laut Gefahrtarif |
| Beitragsfuß | Wert, mit dem die Berufsgenossenschaft jedes Jahr ihre Kosten verteilt |
| Versicherungssumme | Grundlage für deinen eigenen Beitrag als Unternehmer; bei der BGW 2026 zwischen 29.000 und 120.000 Euro |
Allgemeine Beitragslogik der gewerblichen Berufsgenossenschaften. Quelle Versicherungssumme: BGW, Stand 2026. Deinen Beitrag nennt dir deine Berufsgenossenschaft, viele bieten einen Beitragsrechner.
Vorschüsse
Was ändert sich, wenn du Mitarbeiter einstellst?
Mit dem ersten Beschäftigten wird die Berufsgenossenschaft fester Teil deiner Abläufe. Deine Mitarbeiter sind ab dem ersten Tag versichert, den Beitrag zahlst du allein. Die Mitgliedsnummer gehört in die Lohnabrechnung, einmal im Jahr meldest du die Entgelte. Außerdem bist du für den Arbeitsschutz verantwortlich, etwa mit Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung.
- Gefährdungsbeurteilung erstellen und dokumentieren.
- Mitarbeiter regelmäßig zu Sicherheit und Gesundheit unterweisen.
- Betriebsärztliche und sicherheitstechnische Betreuung organisieren, die Berufsgenossenschaft informiert über die Möglichkeiten für kleine Betriebe.
- Unfälle mit Todesfolge oder mehr als drei Tagen Arbeitsunfähigkeit binnen drei Tagen, nachdem du davon erfahren hast, der Berufsgenossenschaft melden (§ 193 SGB VII).
Welche weiteren Versicherungen zum Start gehören, zeigt Versicherungen für Selbstständige.
Welche Förderung kommt für deine Gründung infrage?
Welche Förderung passt, hängt vor allem davon ab, ob du arbeitsuchend gemeldet bist, Arbeitslosengeld beziehst und was du investieren musst. Über jeden Antrag entscheidet die zuständige Stelle im Einzelfall.
AVGS-Gründungscoaching
Wenn du arbeitsuchend oder arbeitslos gemeldet bist, kann die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein ausstellen. Mit bewilligtem Gutschein ist das Gründungscoaching für dich kostenfrei.
AVGS-GründercoachingGründungszuschuss
Beziehst du Arbeitslosengeld I und hast bei der Gründung noch mindestens 150 Tage Anspruch, kannst du den Gründungszuschuss beantragen. Er ist eine Ermessensleistung und setzt Businessplan und Tragfähigkeitsbescheinigung voraus.
GründungszuschussFörderkredite
Für Investitionen und Betriebsmittel gibt es zinsgünstige Kredite, etwa den ERP-Gründerkredit der KfW über deine Hausbank. Eine Bank erwartet dafür einen schlüssigen Businessplan mit Finanzplan.
KfW-GründerkreditWie läuft das Gründungscoaching mit mir ab?
- 1
Kostenloser Gründungscheck
In 10 Minuten klären wir, wo du stehst und welcher nächste Schritt für dich sinnvoll ist.
- 2
Förderung klären
Ich sage dir, ob ein AVGS infrage kommt und wie du ihn bei Agentur für Arbeit oder Jobcenter ansprichst.
- 3
Gemeinsam ausarbeiten
Geschäftsmodell, Businessplan und Finanzplan, online oder vor Ort, in deinem Tempo.
- 4
Sicher starten
Du hast vollständige Unterlagen für Bank und Agentur für Arbeit und einen klaren Plan für die ersten Monate.
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Häufige Fragen: Berufsgenossenschaft für Selbstständige
Muss ich mich als Freiberufler bei der Berufsgenossenschaft anmelden?
Ja, die Meldepflicht gilt für alle Unternehmen, auch für Freiberufler. Weil Freiberufler kein Gewerbe anmelden, erhält die Berufsgenossenschaft keine Durchschrift der Gewerbeanzeige. Du meldest dich deshalb innerhalb einer Woche nach dem Start selbst, am einfachsten online.
Brauche ich die Berufsgenossenschaft, wenn ich krankenversichert bin?
Die Krankenversicherung übernimmt bei einem Unfall die Behandlung. Die Berufsgenossenschaft leistet bei Arbeits- und Wegeunfällen sowie Berufskrankheiten darüber hinaus, etwa mit Reha, Verletztengeld und einer Rente bei bleibenden Schäden. Ob dir das als Inhaber den Beitrag wert ist, entscheidest du, wenn du nicht pflichtversichert bist.
Was passiert, wenn ich die Anmeldung vergesse?
Die Berufsgenossenschaft kann dich nachträglich aufnehmen und Beiträge für die zurückliegende Zeit erheben. Eine verspätete Meldung kann außerdem als Ordnungswidrigkeit verfolgt werden. Deine Beschäftigten sind trotzdem versichert, weil ihr Schutz kraft Gesetz besteht.
Sind mitarbeitende Ehepartner versichert?
Das hängt von der Satzung ab. Einige Berufsgenossenschaften versichern mitarbeitende Ehe- oder Lebenspartner wie den Unternehmer, bei anderen ist eine freiwillige Versicherung möglich. Ist der Partner regulär angestellt, ist er als Beschäftigter versichert.
Gilt der Schutz auch im Homeoffice?
Versichert sind Tätigkeiten, die dem Unternehmen dienen, auch zu Hause. Private Tätigkeiten wie Kochen fallen nicht darunter. Bei Unklarheiten im Einzelfall entscheidet die Berufsgenossenschaft.

Über den Autor
IHK-zertifizierter Gründungsberater · B.Sc. Wirtschaftspsychologie
Hauptberuflich selbstständig bin ich seit 2019, in der Gründungsberatung seit 2021. Ich kenne Gründung mit ihren Höhen und Rückschlägen aus eigener Erfahrung, und genau das fließt in jede Beratung ein.
Inhalt geprüft am 3.10.2026
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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an eine Steuerberatung, eine Anwaltskanzlei oder eine andere zuständige Beratungsstelle. Alle Angaben ohne Gewähr.