Gewinn- und Verlustrechnung:einfach erklärt mit Beispiel

Du willst verstehen, was in deinem Jahresabschluss steht. Danach liest du eine GuV Zeile für Zeile und weißt, was sie über dein Geschäft sagt.

  • Buchhaltung war nie dein Fach? Für das Lesen einer GuV reicht die Logik von oben nach unten.
  • Unsicher, ob du sie brauchst? Rechtsform und Größe entscheiden. Die Tabelle unten zeigt es dir.
  • Angst vor dem Jahresabschluss? Den macht meist die Steuerberatung. Verstehen solltest du ihn trotzdem.
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Frau mit Brille rechnet am Schreibtisch mit dem Taschenrechner, daneben Laptop und beschriftete Aktenordner

Kurz gesagt

Die Gewinn- und Verlustrechnung, kurz GuV, stellt alle Erträge und Aufwendungen eines Geschäftsjahres gegenüber und zeigt als Ergebnis den Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag. Zusammen mit der Bilanz bildet sie den Jahresabschluss. Pflicht ist sie für UG, GmbH und buchführungspflichtige Kaufleute. Kapitalgesellschaften gliedern sie nach § 275 HGB im Gesamt- oder Umsatzkostenverfahren. Kleine Einzelunternehmen nutzen stattdessen meist die Einnahmenüberschussrechnung.

Was sie zeigt

Erträge minus Aufwendungen eines Geschäftsjahres, Ergebnis: Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag.

Wer muss

UG, GmbH, OHG und KG sowie Kaufleute und Gewerbetreibende über den Grenzen von HGB und Abgabenordnung.

Zwei Verfahren

Gesamtkostenverfahren nach Kostenarten oder Umsatzkostenverfahren nach Bereichen.

Plan-GuV

Im Businessplan heißt die Planversion Rentabilitätsvorschau.

Grundlagen

Was ist eine Gewinn- und Verlustrechnung?

Eine Gewinn- und Verlustrechnung ist die Gegenüberstellung aller Erträge und Aufwendungen eines Geschäftsjahres. Sie zeigt, wie das Ergebnis zustande kommt, also womit du Geld verdient und wofür du es ausgegeben hast. Zusammen mit der Bilanz bildet sie den Jahresabschluss nach § 242 HGB. Die Bilanz zeigt dagegen Vermögen und Schulden an einem Stichtag.

Gewinn- und Verlustrechnung

  • Zeitraum: ein Geschäftsjahr
  • Erträge und Aufwendungen
  • Ergebnis: Jahresüberschuss oder -fehlbetrag
  • Frage: Wie erfolgreich war das Jahr?

Nicht ihre Aufgabe

  • Kontostand oder Zahlungsfähigkeit zeigen
  • Vermögen und Schulden am Stichtag zeigen
  • die Zukunft planen
  • private Ausgaben des Inhabers abbilden
Pflicht

Wer muss eine Gewinn- und Verlustrechnung erstellen?

Eine Gewinn- und Verlustrechnung müssen alle Kaufleute nach Handelsrecht erstellen, also UG, GmbH, OHG, KG und eingetragene Kaufleute. Einzelkaufleute sind befreit, solange sie an zwei Stichtagen hintereinander höchstens 800.000 Euro Umsatz und 80.000 Euro Jahresüberschuss haben. Freiberufler und kleine Gewerbetreibende ohne Buchführungspflicht nutzen die Einnahmenüberschussrechnung.

WerGewinnermittlungGrundlage
UG, GmbH, AGimmer Bilanz und GuV§ 242, § 264 HGB
OHG, KGBilanz und GuV§ 242 HGB
eingetragener Kaufmann (e. K.)Bilanz und GuV, außer unter 800.000 € Umsatz und 80.000 € Jahresüberschuss§ 241a HGB
Gewerbetreibende ohne HandelsregisterBilanz und GuV erst über 800.000 € Umsatz oder 80.000 € Gewinn, sonst EÜR§ 141 AO
FreiberuflerEinnahmenüberschussrechnung, Bilanz freiwillig möglich§ 4 Abs. 3 EStG

Stand Oktober 2026 (ihk.de). Nach § 141 AO gilt die Pflicht erst, nachdem das Finanzamt dich darauf hingewiesen hat.

Wie die Gewinnermittlung für die meisten kleinen Einzelunternehmen funktioniert, steht unter Einnahmenüberschussrechnung.

Aufbau

Wie ist eine GuV nach § 275 HGB aufgebaut?

Nach § 275 HGB wird die GuV in Staffelform aufgestellt, also als Rechnung von oben nach unten. Kapitalgesellschaften wählen dafür das Gesamtkostenverfahren oder das Umsatzkostenverfahren mit fest vorgegebenen Posten. Kleinstkapitalgesellschaften dürfen eine verkürzte Gliederung nutzen, kleine und mittelgroße Gesellschaften die ersten Posten zum Rohergebnis zusammenfassen. Einzelkaufleute orientieren sich meist an derselben Gliederung.

Gesamtkostenverfahren, § 275 Abs. 2 HGB (verkürzt)Bedeutung
1. UmsatzerlöseVerkäufe und Leistungen, netto
2. und 3. Bestandsveränderungen, andere aktivierte Eigenleistungenfertige und unfertige Erzeugnisse, selbst gebaute Anlagen
4. Sonstige betriebliche Erträgezum Beispiel Erlöse aus dem Verkauf von Anlagen
5. MaterialaufwandWareneinsatz, Material, Fremdleistungen
6. PersonalaufwandLöhne, Gehälter, Sozialabgaben
7. Abschreibungenauf Anlagen und Software
8. Sonstige betriebliche AufwendungenMiete, Werbung, Versand, Versicherungen, Beratung
9. bis 13. FinanzergebnisBeteiligungs- und Zinserträge, Zinsaufwendungen
14. Steuern vom Einkommen und vom ErtragKörperschaft- und Gewerbesteuer
15. Ergebnis nach SteuernZwischensumme
16. Sonstige Steuernzum Beispiel Kfz-Steuer
17. Jahresüberschuss oder JahresfehlbetragErgebnis des Geschäftsjahres

Quelle: § 275 Abs. 2 HGB. Kleine und mittelgroße Kapitalgesellschaften dürfen die Posten 1 bis 5 zum Rohergebnis zusammenfassen (§ 276 HGB).

Steuerberater im Anzug erklärt einem jüngeren Mann am Schreibtisch ein Dokument, im Regal stehen blaue Ordner und Gesetzbücher
Verfahren

Was ist der Unterschied zwischen Gesamtkostenverfahren und Umsatzkostenverfahren?

Beide Verfahren kommen zum selben Ergebnis, sie sortieren die Kosten nur anders. Das Gesamtkostenverfahren gliedert nach Kostenarten wie Material, Personal und Abschreibungen. Das Umsatzkostenverfahren gliedert nach Bereichen: Herstellung, Vertrieb und Verwaltung. In Deutschland nutzen kleine Unternehmen fast immer das Gesamtkostenverfahren, weil es direkt aus der Buchhaltung entsteht.

GesamtkostenverfahrenUmsatzkostenverfahren
Gliederungnach Kostenartennach Funktionsbereichen
Bestandsveränderungenwerden ausgewiesenfließen in die Herstellungskosten ein
Aufwandeinfach aus der Buchhaltungbraucht eine Kostenrechnung zur Verteilung
Typisch fürkleine und mittlere Unternehmengrößere und international tätige Unternehmen
ZwischenergebnisRohergebnis möglichBruttoergebnis vom Umsatz
Beispiel

Wie sieht eine Gewinn- und Verlustrechnung als Beispiel aus?

Nimm eine erfundene UG, die Waren online verkauft, im ersten vollen Geschäftsjahr. Sie erzielt 120.000 Euro Umsatz, zahlt ihrem Geschäftsführer ein Gehalt und hat Kosten für Ware, Versand, Werbung und Lager. Vor Steuern bleiben 15.500 Euro. Nach Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer ergibt sich ein Jahresüberschuss von rund 10.900 Euro.

GuV nach GesamtkostenverfahrenBetrag
1. Umsatzerlöse120.000 €
5. Materialaufwand (Wareneinsatz)– 54.000 €
6. Personalaufwand (Geschäftsführergehalt)– 30.000 €
7. Abschreibungen– 2.000 €
8. Sonstige betriebliche Aufwendungen (Versand, Werbung, Plattform, Miete, Beratung)– 18.000 €
13. Zinsen und ähnliche Aufwendungen– 500 €
Ergebnis vor Steuern15.500 €
14. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag– 4.623 €
17. Jahresüberschuss10.877 €

Erfundenes, mit Python nachgerechnetes Beispiel. Steuern: Körperschaftsteuer 15 % (2.325 €), Solidaritätszuschlag 5,5 % darauf (rund 128 €), Gewerbesteuer bei Hebesatz 400 % (2.170 €). Die Gewerbesteuer mindert die Bemessung der Körperschaftsteuer nicht.

Dieselbe GuV nach UmsatzkostenverfahrenBetrag
Umsatzerlöse120.000 €
Herstellungskosten: Ware, Lageranteil von Personal, Miete und Abschreibung– 63.000 €
Bruttoergebnis vom Umsatz57.000 €
Vertriebskosten: Versand, Werbung, Plattform, Personalanteil– 23.500 €
Allgemeine Verwaltungskosten– 17.500 €
Zinsen– 500 €
Ergebnis vor Steuern15.500 €

Die Kosten sind dieselben 104.000 €, nur nach Bereichen verteilt. Das Ergebnis ist identisch.

Gut zu wissen

Bei der UG fließt ein Viertel des Jahresüberschusses, hier rund 2.719 Euro, in die gesetzliche Rücklage, bis das Stammkapital 25.000 Euro erreicht. Welche Steuern je Rechtsform anfallen, zeigt Steuern nach Rechtsform.
Abgrenzung

Was ist der Unterschied zwischen GuV, EÜR und BWA?

Die GuV ist Teil des Jahresabschlusses und folgt dem Prinzip der periodengerechten Zuordnung: Ein Umsatz zählt, wenn die Leistung erbracht ist, nicht wenn das Geld kommt. Die Einnahmenüberschussrechnung zählt dagegen nach Zahlungseingang und -ausgang. Die BWA ist eine freiwillige Auswertung während des Jahres, meist im Aufbau ähnlich wie eine GuV.

GuVEÜRBWA
Pflicht fürBilanzierendeFreiberufler, kleine Gewerbetreibendeniemanden
ZeitraumGeschäftsjahrKalenderjahrMonat oder Quartal
Prinzipperiodengerecht, mit Forderungen und RückstellungenZufluss und Abflussje nach Gewinnermittlung, vorläufig
ZweckJahresabschluss, Steuer, OffenlegungGewinn fürs FinanzamtSteuerung, Bank

Wie du eine BWA liest, erklärt BWA für Gründer.

Frau im beigen Blazer liest am Schreibtisch ein Blatt Papier, vor ihr ein Laptop und Stapel von Unterlagen, im Hintergrund Regale mit Ordnern
Businessplan

Was ist eine Plan-GuV im Businessplan?

Eine Plan-GuV ist die Gewinn- und Verlustrechnung für die Zukunft. Im Businessplan heißt sie meist Rentabilitätsvorschau und zeigt für drei Jahre, ob deine Gründung Gewinn macht. Sie hat denselben Aufbau wie die echte GuV, nur mit geplanten Zahlen. Auch Einzelunternehmer, die später eine Einnahmenüberschussrechnung machen, erstellen für Bank und Agentur eine solche Planrechnung.

Gut zu wissen

Du willst lernen, deine Zahlen selbst zu lesen und daraus Entscheidungen abzuleiten? Welche Wege der Begleitung es gibt, steht unter Gründercoaching.

Aus meiner Praxis

Der typische Schreckmoment kommt im zweiten Jahr: Das Finanzamt fordert die Steuer fürs erste Jahr nach und setzt gleichzeitig Vorauszahlungen fest. Wer von Anfang an einen festen Teil vom Gewinn zurücklegt, bleibt entspannt.

– Maximilian Rothenberger, IHK-zertifizierter Gründungsberater

Förderung

Welche Förderung kommt für deine Gründung infrage?

Welche Förderung passt, hängt vor allem davon ab, ob du arbeitsuchend gemeldet bist, Arbeitslosengeld beziehst und was du investieren musst. Über jeden Antrag entscheidet die zuständige Stelle im Einzelfall.

AVGS-Gründungscoaching

Wenn du arbeitsuchend oder arbeitslos gemeldet bist, kann die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein ausstellen. Mit bewilligtem Gutschein ist das Gründungscoaching für dich kostenfrei.

AVGS-Gründercoaching

Gründungszuschuss

Beziehst du Arbeitslosengeld I und hast bei der Gründung noch mindestens 150 Tage Anspruch, kannst du den Gründungszuschuss beantragen. Er ist eine Ermessensleistung und setzt Businessplan und Tragfähigkeitsbescheinigung voraus.

Gründungszuschuss

Förderkredite

Für Investitionen und Betriebsmittel gibt es zinsgünstige Kredite, etwa den ERP-Gründerkredit der KfW über deine Hausbank. Eine Bank erwartet dafür einen schlüssigen Businessplan mit Finanzplan.

KfW-Gründerkredit
So begleite ich dich

Wie läuft das Gründungscoaching mit mir ab?

  1. 1

    Kostenloser Gründungscheck

    In 10 Minuten klären wir, wo du stehst und welcher nächste Schritt für dich sinnvoll ist.

  2. 2

    Förderung klären

    Ich sage dir, ob ein AVGS infrage kommt und wie du ihn bei Agentur für Arbeit oder Jobcenter ansprichst.

  3. 3

    Gemeinsam ausarbeiten

    Geschäftsmodell, Businessplan und Finanzplan, online oder vor Ort, in deinem Tempo.

  4. 4

    Sicher starten

    Du hast vollständige Unterlagen für Bank und Agentur für Arbeit und einen klaren Plan für die ersten Monate.

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FAQ

Häufige Fragen: Gewinn- und Verlustrechnung

Muss ich meine Gewinn- und Verlustrechnung veröffentlichen?

Das betrifft vor allem UG und GmbH. Kleine Kapitalgesellschaften müssen nur Bilanz und Anhang offenlegen, die Gewinn- und Verlustrechnung nicht. Kleinstkapitalgesellschaften legen nur die Bilanz offen oder hinterlegen sie. Einzelunternehmen und GbR veröffentlichen in der Regel nichts.

Brauche ich als Einzelunternehmer eine GuV?

Meist nicht. Bist du nicht im Handelsregister eingetragen und bleibst unter 800.000 Euro Umsatz und 80.000 Euro Gewinn, reicht die Einnahmenüberschussrechnung. Für deinen Businessplan erstellst du trotzdem eine Planrechnung, die wie eine GuV aufgebaut ist: die Rentabilitätsvorschau.

Was ist der Unterschied zwischen Jahresüberschuss und Bilanzgewinn?

Der Jahresüberschuss ist das Ergebnis der Gewinn- und Verlustrechnung. Der Bilanzgewinn entsteht erst danach, wenn Gewinn- oder Verlustvorträge aus Vorjahren und Einstellungen in oder Entnahmen aus Rücklagen verrechnet sind. Bei der UG fließt zum Beispiel ein Viertel des Jahresüberschusses in die gesetzliche Rücklage.

Wer erstellt die GuV?

Rechtlich ist das Unternehmen verantwortlich, bei UG und GmbH die Geschäftsführung. In der Praxis erstellt meist die Steuerberatung den Jahresabschluss aus deiner laufenden Buchhaltung. Mit guter Buchhaltungssoftware kannst du vieles vorbereiten, die Abschlussbuchungen übernimmt aber oft die Kanzlei.

Kann ich vom Gesamtkostenverfahren zum Umsatzkostenverfahren wechseln?

Grundsätzlich ja, aber nicht beliebig. Die einmal gewählte Form sollst du beibehalten, damit die Jahre vergleichbar bleiben. Ein Wechsel braucht einen sachlichen Grund und muss erläutert werden. Für kleine Unternehmen ist das Gesamtkostenverfahren fast immer die einfachere Wahl.

Maximilian Rothenberger

Über den Autor

Maximilian Rothenberger

IHK-zertifizierter Gründungsberater · B.Sc. Wirtschaftspsychologie

Hauptberuflich selbstständig bin ich seit 2019, in der Gründungsberatung seit 2021. Ich kenne Gründung mit ihren Höhen und Rückschlägen aus eigener Erfahrung, und genau das fließt in jede Beratung ein.

Inhalt geprüft am 2.10.2026

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts‑, Steuer‑ oder Finanzberatung. FoundingFits bietet keine Rechtsberatung oder Steuerberatung an. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an eine Steuerberatung, eine Anwaltskanzlei oder eine andere zuständige Beratungsstelle. Alle Angaben ohne Gewähr.